80. Jubiläum von Wels-Rede gegen Ermächtigungsgesetz

Otto Wels war ein Mann, wie es ihn nicht oft gibt - ein gradliniger, freiheitsliebender Demokrat, bereit, für seine Ideale notfalls mit seinem Leben einzutreten. Vor genau 80 Jahren hielt der damalige Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Reichstag seine legendäre Rede gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten. Die SPD-Fraktion gedenkt an diesem Mittwoch seiner und seiner Mitstreiterinnen und Mitstreitern.

Wels' Rede, gehalten unter den drohenden Augen der Nazi-Schergen, bestimmt bis heute das Selbstverständnis der Sozialdemokratie. Das Ermächtigungsgesetz bedeutete das Ende des Parlamentarismus und den Ausgangspunkt der Nazi-Schreckensherrschaft. Die Mitglieder der SPD-Fraktion - zumindest diejenigen - die noch in Freiheit waren - stimmten als einzige Fraktion gegen dieses furchtbare Gesetz.

Otto Wels ergriff stellvertretend für die Sozialdemokraten das Wort und bekannte sich in seiner mutigen Rede zu Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Demokratie. Der berühmteste Satz: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!"

Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, sagt: "Der mutige Einsatz unserer Genossinnen und Genossen bleibt in uns wach, auch jenseits von Jubiläumsfeiern und Jahrestagen. Sie sind und bleiben ein Vorbild für jeden von uns."

 

Dieses Tondokument der Rede von Otto Wels ist leider ein Fragment. Den vollständigen Text der Rede können Sie hier herunterladen (PDF, siehe ab S. 59).

 

Peter Struck, im Dezember vestorbener ehemaliger Vorsitzender der SPD-Fraktion, lobte die Rede als "die mutigste, die je in einem deutschen Parlament gehalten worden ist."  Für Struck bedeutete die Erinnerung an die Ermächtigung Hitlers die Verpflichtung des deutschen Parlaments, demokratische Kolleginnen und Kollegen, wo immer sie Unterstützung brauchen, zu ermutigen und sich von keiner Regierung dieser Welt überwältigen zu lassen.

Frühjahrsempfang zu Ehren von Otto Wels

Aus Anlass des 80. Jubiläums der Rede veranstaltet die SPD-Fraktion ihren diesjährigen Frühjahrsempfang Otto Wels zu Ehren. Im Vorfeld konnten sich Jugendliche um den erstmals verliehen Otto-Wels-Preis für Demokratie bewerben. Ziel der Preisauslobung ist es, Demokratie und Toleranz in der jungen Generation zu fördern, indem Jugendliche und junge Erwachsene angeregt werden, sich mit der historischen Bedeutung der Rede von Otto Wels und ihrer bleibenden Aktualität für unsere Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die Jugendlichen konnten beispielsweise eine Rede verfassen oder eine Demokratie-Kampagne gestalten. Die Preisträger werden am Mittwochabend von Fraktions- und Parteispitze geehrt.

Doch schon am Mittwochnachmittag geht es mit einem historischen Programm los: Um 14.30 Uhr wird der ARD-Film "Nacht über Berlin" im Fraktionssaal vorgeführt.

Danach sprechen Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Dann wird der Schauspieler Ulrich Matthes aus der Rede von Otto Wels vorlesen. Um 17 Uhr wird der Historiker Heinrich August Winkler eine Rede zum Thema halten. Danach diskutieren Steinmeier und Gabriel mit Jugendlichen über die Bedeutung des Engagements für die Demokratie in heutiger Zeit.

Am Abend findet auf der Fraktionsebene die Auszeichnung der Preisträgerinnen und Preisträger des Otto-Wels-Preises für Demokratie mit Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier statt. Moderiert wird der Abend von Mo Asumang. Das Schlusswort hält Peer Steinbrück.

Im Verlauf des Mittwoch und Donnerstag werden hier und auf unserem facebook-Account weitere Artikel und Fotos zu der großen Otto-Wels-Veranstaltung zu finden sein.

Alexander Linden