Bundesweite Koordination beschlossen

Versorgung unbegleiteter ausländischer Minderjähriger sicherstellen

Viele ausländische Kinder und Jugendliche kommen ohne Begleitung in Deutschland an, die meisten in einigen wenigen Kommunen. Um die Lasten besser zu verteilen, hat der Bundestag einer bundesweiten Aufnahmepflicht der Länder zugestimmt. Die Unterbringung, Versorgung und Betreuung der unbegleiteten ausländischen Minderjährigen soll bundesweit koordiniert an der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ausgerichtet werden.
Jugendlicher Flüchtling, der ohne Begleitung in Deutschland ankam.

Kinder und Jugendliche, die aus ihren Herkunftsländern allein nach Deutschland kommen, gehören zu den schutzbedürftigsten Personengruppen. Es sind junge Menschen, die häufig Schreckliches erlebt haben und möglicherweise physisch und psychisch stark belastet oder hochtraumatisiert sind.

Für die Inobhutnahme unbegleiteter ausländischer Minderjähriger sind bislang diejenigen Jugendämter beziehungsweise örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe zuständig, in denen sie erstmalig registriert werden. Einige kommunale Gebietskörperschaften sind gegenwärtig jedoch überlastet, wodurch eine dem Kindeswohl entsprechende Unterbringung, Versorgung und Betreuung erheblich erschwert oder nicht mehr möglich ist.

Kinder und Jugendliche besser schützen

Der Bundestag hat daher am 15. Oktober 2015 einen Gesetzentwurf der Bundesregierung beschlossen, damit die Unterkunft, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland künftig bundesweit koordiniert erfolgen kann (Drs. 18/5921). „Ich möchte nicht, dass Flüchtlingskinder gegen einheimische Kinder und Jugendliche ausgespielt werden. Ich möchte, dass alle in diesem Land gut aufwachsen,“ betonte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vor der Abstimmung im Plenum des Deutschen Bundestags.

Alle Bundesländer haben Aufnahmepflicht

Es wurde eine bundesweite Aufnahmeverpflichtung geregelt, die gleichzeitig den Grundsatz der verbleibenden Zuständigkeit des Jugendamtes am Einreiseort ablöst. Mit der gesetzlichen bundesweiten Aufnahmepflicht sollen Kommunen entlastet werden, in denen in den letzten Monaten besonders viele ausländische Kinder und Jugendliche ohne Begleitung angekommen sind. Gleichzeitig will der Bund den weiteren Aufbau von Infrastrukturen in allen Bundesländern fördern. 

350 Millionen Euro für Länder und Kommunen

Sämtliche Regelungen beruhen auf sorgfältig austarierten Kompromissen, bei denen das Kindeswohl eine vorrangige Rolle gespielt hat, aber auch die Interessen der Länder hinreichend berücksichtigt wurden. Der Bund wird sich mit 350 Millionen Euro pro Jahr an der Finanzierung der Kosten beteiligen.

Die Umsetzung des Gesetzes wird durch das Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden“ begleitet. So soll vor Ort ein gutes Kontakt- und Servicenetzwerk für junge Flüchtlinge geschaffen werden.

Jasmin Hihat

    • Pressemitteilung
      Nr.
      667
      Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt den heute in den Deutschen Bundestag eingebrachten Gesetzentwurf zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher. Die Regelungen werden durch Finanzierungsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern vom 24.September 2015 flankiert. Wir wollen den bei uns Schutz suchenden alleinstehenden Minderjährigen bestmöglich helfen, erklären Sönke Rix und Gülistan Yüksel.
    • Pressemitteilung
      Nr.
      643
      Die SPD-Bundestagsfraktion will Flüchtlingskinder besser schützen. Die Standards für ihre Unterbringung, Versorgung und Betreuung müssen schnellstmöglich verbessert werden, erklärt Sönke Rix.
    • Artikel
      Der Winter naht, tausende Flüchtlinge und Asylbewerber suchen Schutz in Deutschland. Die Koalition hat nun ein Gesetz beschlossen, das Ordnung in die Einreise bringt und den Kommunen hilft. Die Maßnahmen im Überblick.
    • Artikel
      Anlässlich des bevorstehenden EU-Gipfels hat der Bundestag erneut über die Flüchtlingskrise in Europa debattiert. SPD-Fraktionschef Oppermann fordert mehr europäische Verantwortung und schnellere Asylverfahren.
    • Statement von Christine Lambrecht
      Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin zum Asylpaket: "Wir beschleunigen Asylverfahren, sorgen für eine faire Kostenverteilung und legen den Grundstein für eine rasche Integration der schutzbedürftigen Flüchtlinge. Gleichzeitig schaffen wir die Voraussetzungen für schnellere Rückführungen".
    • Artikel
      Das Menschenrecht auf Gesundheit und Bildung ist für viele Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht gewährleistet. Von den Partnerländern muss daher mehr Eigenverantwortung gefordert werden, um diese Rechte zu verwirklichen.