SPD fordert Sondersitzung des Sportausschusses

Eine Studie der Humboldt-Universität Berlin mit dem Titel „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ deckt auf, dass in Westdeutschland Sportler in großem Umfang gedopt haben bzw. gedopt wurden. An diesem Montag ist die Studie im Netz veröffentlicht worden.

Zwar sind noch so gut wie keine Namen Beteiligter bekannt, doch steht der Verdacht im Raum, dass die Doping-Praxis von der Politik geduldet, eventuell sogar gefördert wurde.

Um mögliche Konsequenzen zu ziehen, fordern sowohl Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses, Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, als auch Thomas Oppermann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, weitreichende Aufklärung.

Dagmar Freitag sagte im ZDF-Morgenmagazin sie plädiere für eine Sondersitzung des Sportausschusses Anfang September und forderte, dass noch in dieser Woche alle wichtigen Materialien zu Verfügung gestellt werden sollten. „Wir werden den Innenminister auffordern müssen, alle Fakten auf den Tisch zu legen. Es sei Aufgabe der Politik, „die sauberen Sportler, die es unbestritten gibt, vor diesen Betrügern zu schützen.“

Zu der Sondersitzung soll nach Angaben der SPD-Sportpolitiker auch der Bundesinnenminister als zuständiger Fachminister eingeladen werden.
Thomas Oppermann konstatiert: „Es ist ein erheblicher Vorwurf, dass mit Geldern des Innenministeriums über Jahrzehnte Doping gezielt und systematisch gefördert worden sein soll. Ich will wissen, was da dran ist.“

Martin Gerster folgert: „Historische Forschungen sollten immer auch das Ziel verfolgen, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Deswegen fordern wir als SPD-Bundestagsfraktion ein konsequentes Vorgehen gegen Doping und ein entsprechendes Anti-Doping-Gesetz. Dagegen muss Schwarz-Gelb endlich seinen Widerstand aufgeben, sonst geht das Vertrauen in einen fairen Sport endgültig verloren.“
Gerster stellt auch unmissverständlich klar: „Offenbar kommt Schwarz-Gelb eine Debatte über die Doping-Vergangenheit und ein konsequentes Vorgehen gegen die kriminellen Doping-Netzwerke wenige Wochen vor der Wahl sehr ungelegen, anders ist die Blockade-Haltung nicht zu erklären." Denn bis dato wollten die Regierungsfraktionen keine Sondersitzung des Sportausschusses zum Thema Doping.

Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich seit langem für eine konsequente Bekämpfung von Doping im Sport ein und fordert eine Stärkung der Nationalen Anti Doping Agentur.

Die Studie der HU kann hier eingesehen werden.

Alexander Linden/Alexandra Ochs