SPD-Fraktion diskutiert über neue Arbeitszeitmodelle

Wie schaffen wir eine Balance zwischen Beruf und Familie? Wie können beide Partner im Beruf erfolgreich sein und sich um die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen kümmern?

Die Projektgruppe #NeueZeiten sucht Antworten auf diese Fragen. Bei der Zukunftskonferenz der SPD-Fraktion Ende September kam es zum ersten Austausch mit Fachleuten und Bürgerinnen und Bürgern.

Der Mann arbeitet Vollzeit und die Frau hängt in der Teilzeitfalle, das ist in den meisten Familien immer noch das gängige Rollenmodell – trotz der Fortschritte beim Ausbau der Kinderbetreuung. „Wir sollten nicht versuchen, alle Probleme über mehr Betreuung zu lösen, sondern sollten mehr über Zeit reden“, sagt deshalb Projektleiter Martin Rosemann. Gute Betreuung sei wichtig, aber Eltern wollten vor allem in den entscheidenden Phasen mehr Freiräume für die Familie.

Das Problem: Für diese Freiräume bezahlen Eltern derzeit einen hohen Preis. Frauen haben von vornherein schlechtere Karrierechancen; Männer müssen mit Nachteilen rechnen, wenn sie in Elternzeit gehen oder weniger arbeiten wollen. Die Journalistin und Autorin Susanne Garsoffky fordert deshalb einen Kulturwandel und mehr Wertschätzung für die unbezahlte Arbeit. Denn Kindererziehung und Pflege von Angehörigen seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben.

Mehr Partnerschaftlichkeit

Ein möglicher Ausweg ist das Konzept der Familienarbeitszeiten. Dabei arbeiten beide Eltern (mit Kindern im Alter von bis zu drei Jahren) mit reduzierten Stunden, zum Beispiel 80 Prozent. Der Staat zahlt die Differenz zur Vollzeit. „Familienarbeitszeiten würden deutliche Anreize zu mehr Partnerschaftlichkeit setzen“, sagt Dr. Katharina
Wrohlich
vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Wir brauchen Arbeitszeitmodelle, die zwischen der klassischen Voll- und Teilzeit liegen“, sagt auch Jana Tepe, Gründerin vom Internetportal tandemploy. Ihr Ansatz heißt Jobsharing. Dabei teilen sich zwei Menschen eine Stelle. Sie organisieren sich selbst und können je nach Lebensphase mehr oder weniger arbeiten.

Klar ist: Bei der Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es nicht die eine große Lösung. Der Gesetzgeber muss Bedingungen schaffen, in denen jede Familie ihren individuellen Weg gehen kann. Die Projektgruppe #NeueZeiten wird diese Lösungen jetzt erarbeiten – im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen.

Gero Fischer

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