Rede von Gabriele Lösekrug-Möller, PSt'in im BMAS, Beratung durch die Unterrichtung der Bundesregierung - Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen 2016 - 24.03.2017

Sehr geehrter Herr Präsident / Frau Präsidentin

meine Damen und Herren!

Jetzt geht es um diesen Bericht. Es ist der zweite Bericht der Bundesregierung darüber, wie Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland leben. Also z.B. Menschen, die schon lange krank sind, nicht sehen oder hören können oder denen es seelisch nicht gut geht. Aber es gehören auch Menschen dazu, die schwierige Texte nicht so schnell verstehen oder nicht gut lesen können. Und weil es heute um all diese Menschen geht, versuche ich jetzt, den Teilhabebericht möglichst einfach zu erklären. Damit es auch möglichst viele verstehen.

Dieser Bericht hat mehr als 500 Seiten und ist sehr genau. Viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben daran lange gearbeitet.

Der Bericht beschreibt, wie es den 12 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen in unserem Land geht.

Ja, so viele Menschen sind es. Wenn wir alle, die in Deutschland leben, zählen würden, wäre jede oder jeder Sechste Teil des Berichts.

Das wichtigste Ergebnis will ich zuerst nennen:

„Menschen mit Beeinträchtigungen sind und leben so unterschiedlich wie Menschen ohne Beeinträchtigungen.“

Unser gemeinsames Ziel ist ja, dass Menschen mit Beeinträchtigungen genauso leben und arbeiten können wie Menschen ohne Beeinträchtigungen.

Der Bericht beschreibt, dass wir schon besser geworden sind, aber unser Ziel noch nicht erreicht haben.

Ganz genau beschreibt er die Jahre von 2005 bis 2014.

Und was steht in dem Bericht?

In seinem ersten Teil gibt es ganz viele Zahlen und Informationen. Z. B. Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Beeinträchtigung und wie ist ihr Leben?

Im zweiten Teil beschreibt der Bericht ganz ausführlich, wie das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen in unserem Land aussieht.

  • Wie ist das mit dem Familienleben, den Nachbarn und Freunden?
  • Wie ist das mit Schule und einer Berufsausbildung?
  • Wie sieht es aus mit Arbeit und Bezahlung?
  • Wie selbstbestimmt wohnen und leben Menschen mit Beeinträchtigung?

Und es geht um Gesundheit, Freizeit, Kultur und Sport, um Schutz vor Gewalt und Mitmachen in der Politik.

Das nennt man ‚Lebenslagen‘. Und zu jedem Thema wird berichtet, was ist und was besser werden muss.

Das Ergebnis steht in zwei schwierigen Sätzen gleich auf Seite 1 des Berichtes:

„Insgesamt zeigt sich, dass die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen in vielerlei Hinsicht noch immer eingeschränkt ist.

Hierbei gilt häufig: Je schwerer die Beeinträchtigung, desto geringer die Teilhabechancen.“

Wenn ich das übersetze, heißt das:

‚Wir müssen noch sehr viel tun, damit Menschen mit Beeinträchtigungen mitten in unserer Gesellschaft leben können - wie alle Menschen auch‘.

Und ‚Wer ganz stark beeinträchtigt ist, also z. B. langsam lernt oder nicht schnell versteht und im Rolli sitzt, der oder die hat es besonders schwer.

Das ist nicht in Ordnung!

Das wollen wir ändern!

Und daran arbeiten wir!

Denn seitdem der Bericht geschrieben wurde, ist viel passiert.

Wir haben gute Gesetze gemacht, z. B. das Bundesgleichstellungsgesetz und das Bundesteilhabegesetz. Aber es dauert noch, bis alle guten Regeln im Alltag ankommen.

Das gilt z. B. für Informationen in leichter Sprache. Das gilt für unabhängige Beratung.

Was aber schon funktioniert, ist die bessere Bezahlung für Beschäftigte in Werkstätten und das Recht mehr zu sparen.

Das sind nur einige Beispiele für Verbesserungen, die hier im Bundestag abgestimmt wurden.  

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dem Bericht steht auch viel darüber, wie wir in Deutschland die ‚Behindertenrechtskonvention‘ umsetzen. Das ist ein Vertrag, der Menschen mit Behinderungen in sehr vielen Ländern auf der Welt helfen soll. Diesen Vertrag wollen wir auch in Deutschland erfüllen.

Das ist eine Aufgabe für alle, die Bundesregierung und alle Bundesländer, aber auch für alle Städte und Dörfer.

Überall werden dazu Pläne gemacht, was passieren muss. Auch die Bundesregierung hat an ihrem Plan weiter geschrieben und ist dabei, immer mehr ‚ohne Barrieren‘ zu machen, z. B. im Internet und beim Bauen. Dazu werden wir auch in diesem Jahr im November bei den Inklusionstagen in Berlin mit Vielen beraten und diskutieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt noch viel zu tun, bis wir in Deutschland "inklusiv“ sind. Das schaffen wir nur alle zusammen, die Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Die, die Politik machen, die in Verwaltungen arbeiten, die Chefs von Unternehmen, die Schwerbehindertenvertretungen und die in Vereinen mitmachen, die Jungen und die Alten - na eben alle.

Ich bin sicher, der nächste Bericht wird wieder dick, weil es soviel zu beschreiben gibt. Und ich hoffe, dass er von Verbesserungen berichten wird, denn daran arbeiten wir gemeinsam.

Zum Schluss:

Was ich gut finde ist, dass dieser Bericht als ‚barrierefreies Dokument‘ im Internet auf der Seite des BMAS stehen wird, also für Menschen die nicht gut sehen können, trotzdem lesbar ist und hörbar. Und dass es das Wichtigste des Berichtes auch in leichter Sprache geben wird.

Vielen Dank!