Den sportlichen Wettbewerb für versehrte Soldaten in Deutschland ausführen

Prinz Harry hat im Jahr 2014 die invictus Games initiiert, einen sportlichen Wettkampf für Soldat*innen, die im Einsatz körperlich oder seelisch versehrt wurden. Seitdem finden die Spiele in regelmäßigen Abständen weltweit statt. Wir von der SPD unterstützen das Anliegen der Bundesregierung, die Invictus Games in naher Zukunft nach Deutschland zu holen - zugunsten der Genesung der Soldat*innen, zur Würdigung ihres Einsatzes und um eine Brücke zwischen den Menschen innerhalb und außerhalb der Bundeswehr zu schlagen.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen!

Erst in der vergangenen Woche habe ich von einem Bundeswehrangehörigen, der 2012 im Afghanistan-Einsatz war, einen Brief erhalten. Bei ihm wurde Jahre später eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt. Dieser Soldat fühlt sich mit seiner Krankheit alleingelassen. Er schreibt wörtlich: Unsere Politiker stimmen für Auslandseinsätze, ohne zu wissen, um was es geht, und ohne bei Schwierigkeiten hinter ihren Soldaten zu stehen. In Bezug auf seine seelischen Schwierigkeiten schreibt er: Es ist nicht im Interesse unserer Politik, sich mit solchen belanglosen Dingen zu beschäftigen.

Kolleginnen und Kollegen, es ist fatal, wenn ein solcher Eindruck entsteht. Wir haben zwar die Deutsche Härtefallstiftung, doch diese darf uns nicht von unserer Verantwortung befreien. Ich weise regelmäßig darauf hin, dass es sich bei der Bundeswehr um eine Parlamentsarmee handelt. Sie handelt in unserem Auftrag und unterliegt unserer Kontrolle. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die, dass wir damit eine klare Fürsorgepflicht haben: für die Menschen, die bereit sind, unserem Land zu dienen, für unser Recht und unsere Freiheit zu kämpfen, und die im schlimmsten Fall ihr Leben dafür lassen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und dem Abg. Michael Theurer [FDP])

Wir schulden es diesen Menschen, uns anständig um sie zu kümmern. Dabei gehört es zu unseren Aufgaben, die Soldatinnen und Soldaten gut auszurüsten. Genauso gehört es aber auch zu unseren Aufgaben, für ihr körperliches und seelisches Wohl zu sorgen. Genau hier kommen die Invictus Games ins Spiel. Dieser sportliche Wettbewerb für einsatzgeschädigte Soldatinnen und Soldaten, der erstmals vor fünf Jahren in London stattfand, bietet ihnen einen Lichtblick und ein Ziel.

Versehrte Soldatinnen und Soldaten treiben nicht nur Sport, weil er zur Genesung einen erheblichen Beitrag leistet, sie können mit den Spielen zugleich in den sportlichen Wettbewerb mit anderen treten, die, ähnlich wie sie, im Einsatz verwundet wurden. Damit zeigen sie, dass sie mehr sind als Menschen mit Beschädigung. Sie können die Kraft zeigen, die in ihnen steckt. Sie können sich mit Stolz messen, jenseits aller körperlichen und seelischen Verletzungen, und damit zeigen, dass sie wahrlich invictus sind: unbesiegt, unbezwungen. Diese Spiele verschaffen ihnen Wertschätzung und Anerkennung. Sie können eine wichtige Etappe auf dem Weg zurück ins normale Leben sein.

Zugleich schaffen die Invictus Games Öffentlichkeit und Sympathie. Die Bundeswehr stößt bei vielen Menschen noch auf Skepsis bis hin zu Ablehnung. Entsprechend bekommen auch verletzte Heimkehrer oft nicht die Akzeptanz und den Respekt, der ihnen zusteht.

Die Invictus Games sind ein fröhlicher sportlicher Wettkampf. Ihn in Deutschland auszutragen, bedeutet, eine positive Öffentlichkeit zu schaffen. Die Spiele können eine Brücke schlagen zwischen Menschen innerhalb und außerhalb der Bundeswehr. Sie können sinnbildlich dafür stehen, dass die Bundesrepublik nicht nur im Einsatzfall Verantwortung übernimmt. Sie steht auch mittel- und langfristig für ihre Soldatinnen und Soldaten gerade und unterstützt sie.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus all den genannten Gründen bin ich überzeugt von der Idee, die Invictus Games 2022 oder 2024 nach Deutschland zu holen. Wir brauchen jenseits der Sachpolitik ein deutliches Zeichen, ein Symbol für die Unterstützung unserer einsatzgeschädigten Soldatinnen und Soldaten. In der Hoffnung, dass auch der Soldat, der mir geschrieben hat, das hört: Wir danken Ihnen für Ihren Einsatz. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP)