Rede von Kerstin Tack zur Home Office-Debatte

Vizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich:

Und schon geht’s weiter. – Die Kollegin Kerstin Tack hat das Wort für die SPD-Fraktion.

(Beifall bei der SPD)

Kerstin Tack (SPD): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Recht haben wir in dieser Pandemie mit der Herausforderung an das gemeinsame solidarische Zusammenstehen die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte. Deshalb ist es auch richtig, zur Bewältigung dieser Krise über jede Maßnahme nachzudenken und zu streiten, die es ermöglicht, Kontakte zu reduzieren und auch im Interesse der Wirtschaft die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesund zu halten oder nicht krank werden zu lassen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Deshalb ist es auch richtig, dass wir über Homeoffice diskutieren. Es war auch richtig, dass die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten den Unternehmen den dringenden Rat gegeben hat, in diesem erneuten Lockdown für so viel Homeoffice wie möglich zu sorgen. Und wir machen uns ernste Sorgen darüber,

(Dr. Matthias Zimmer [CDU/CSU]: Nicht bei der AfD!)

dass das häufig nur bedingt genutzt und ermöglicht wird; denn dazu gehören ja beide Seiten. Deshalb ist es auch richtig, dass wir alles dafür tun, dass diese Möglichkeit der Kontaktbeschränkung mehr als heute genutzt wird.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Wenn die Zahl der Infektionen nicht runtergeht oder vielleicht sogar steigt: Ja, dann werden wir mehr Maßnahmen brauchen, sowohl im Arbeitsleben als auch andere Maßnahmen zum Schutz unserer Bevölkerung.

(Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann macht doch mal!)

Insbesondere – das will ich auch sagen – ist es im Eigeninteresse eines jeden Unternehmens, dafür zu sorgen, dass es auch nach acht Wochen noch die Beschäftigten gibt, die sie heute haben. Deshalb müssen die Unternehmen ein eigenes Interesse daran haben, dass ihre Beschäftigten so wenig Kontakte wie möglich haben. Da eignet es sich, darauf zu achten: Wie kommen meine Beschäftigten in den Betrieb? Was ist im Betrieb an Kontaktarmut möglich? Was kann ich tun, damit meine Beschäftigten, für die ich eine Verantwortung habe, die Chance haben, in den nächsten Wochen möglichst gesund durch diese Krise zu kommen? Wir machen uns für unsere Mitarbeitenden diese Gedanken, und jedes Unternehmen – das können wir erwarten – muss und soll sich diese Gedanken auch machen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Da ist Homeoffice eine von mehreren Möglichkeiten, kontaktarm durch die nächsten Wochen zu kommen. Ich habe den Antrag der Grünen so verstanden, dass es um die nächsten Wochen geht. Ich will gar nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Wochen verschärfte Maßnahmen nicht nur im Arbeitsleben brauchen werden. Niemand von uns kann das heute seriös ausschließen, aber wir hoffen sehr, dass das nicht nötig wird. In diesem Sinnen wollen natürlich auch wir, dass Homeoffice nicht nur irgendwas ist, sondern ein gut abgesicherter Umstand. Ja, wir wollen ein Recht auf Homeoffice.

(Beifall der Abg. Daniela Kolbe [SPD])

Wir wollen gute Mitbestimmung. Wir wollen gute Arbeitsschutzbestimmungen. Wir wollen den Unfallschutz berücksichtigt sehen.

Vizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich: Ihre Redezeit ist beendet.

Kerstin Tack (SPD): Jetzt in der Krise aber wollen wir, dass Homeoffice so vielen wie möglich – ich bin fertig – ermöglicht wird. Und bitte, wenn es dazu Verschärfungen bedarf, dann müssen wir diese machen, auch wenn wir das eigentlich nicht wollen. Deshalb der dringende Appell, jetzt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, damit wir zu weiteren Schritten nicht gezwungen werden. Herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. Matthias Zimmer [CDU/CSU])