SPD und Grüne wollen Tier- und Artenschutz verbessern

Seit gut 20 Jahren boomt der Handel mit Wildtieren für die Haltung in Privathaushalten. Vor allem Reptilien und Fische liegen im Trend. Laut Statistischem Bundesamt werden derzeit jährlich zwischen 440.000 und 840.000 lebende Reptilien und etwa 380.000 Süßwasserfische nach Deutschland eingeführt. Aber auch Affen oder Flughunde werden gehandelt. Ein Großteil betrifft Arten, die international nicht geschützt sind und deren Handel weder artspezifisch erfasst noch in irgendeiner Weise reglementiert ist. Gerade diese Arten werden häufig gefangen und somit ihrem natürlichen Lebensraum entrissen.

Der Import von Wildvögeln wurde 2005 gestoppt, doch Reptilien werden weiterhin importiert. Dabei handelt es sich häufig um Arten, die als vom Aussterben bedroht (Endangered) gelten wie die Hornagame aus Sri Lanka. Arten wie die Höckerschildkröte und der Königspython sind bei privaten Haltern sehr beliebt. Doch die Nachfrage wird nicht durch inländische Nachzucht gedeckt. Deshalb werden Wildfänge in großer Stückzahl importiert. Dazu kommt, dass ein massives Fangen von Königsphythons zu einer Ausbreitung von Nagetieren führen kann, die der Ernte in den entsprechenden Ländern schaden. Dazu kommt, dass viele Tiere den Transport nicht überleben und elendig eingehen.

Auch wenn Arten hauptsächlich durch die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht sind, lassen die Wildfänge den Tierbestand weiter schrumpfen. Feldforscher verschweigen in ihren Publikationen mittlerweile die Fundorte von neu entdeckten und meist noch ungeschützten Arten, um den internationalen Handel zu verhindern. Häufig wird auch mit Arten gehandelt, die im Herkunftsland bereits nationalen Schutzbestimmungen unterliegen und weder gefangen noch ausgeführt werden dürfen.

Der Handel birgt Gefahren für Mensch und Tier

In Deutschland werden Wildtiere über Tierbörsen wie die „Terraristika” am 8. Juni in Hamm, aber auch über Zoogeschäfte, Baumärkte, Gartencenter oder das Internet gehandelt. Pro Wildlife e. V. macht im Vorfeld der „Terraristika” darauf aufmerksam, dass diese Tierbörse zeige, wie riesig und unkontrolliert dieser Handel stattfinde, wie Wildtiere zum Spontankauf-Schnäppchen verkämen und welch weltweite Sogwirkung dieser Handel habe.

Häufig unterbleibt beim Verkauf von Wildtieren eine umfassende Beratung der Käufer hinsichtlich der Haltung und Ernährung der Tiere. Was zu Tierschutzproblemen aber auch zu Gefahren für die Halter führen kann. Letztere fühlen sich auch oft durch die Exoten überfordert. Deshalb steigt die Zahl der Tiere, die in Tierheimen oder Auffangstationen abgegeben werden. Und zunehmend werden ausgesetzte Wildtiere aufgefunden.

Wildtierhandel und -haltung einschränken

Die Fraktionen von SPD und Grünen haben gemeinsam einen Antrag in den Bundestag eingebracht (Drs. 17/13712). Ursprünglich sollte dieser Antrag von allen Bundestagsfraktion getragen werden, doch die Koalitionsfraktionen haben einen Rückzieher gemacht.

SPD und Grüne wollen den Wildtierhandel nach Deutschland und nach Europa einschränken. Zudem sollen die Arten in den Herkunftsländern geschützt werden. Die Bundesregierung soll sich dafür einsetzen, dass die Einfuhr von Wildfängen für den kommerziellen Lebendtierhandel in die EU verboten wird, wenn es sich um gefährliche Tiere handelt oder die Tiere gefährliche Krankheitserreger in sich tragen. Ebenso soll die Ausbreitung nicht einheimischer Tiere, die sich an die hiesigen Bedingungen anpassen und angestammte Arten verdrängen - so genannte invasive Arten - verhindert werden. Die Importe von “Nachzuchten” bzw. “Farmzuchten” sollen kritisch geprüft werden, um die Einfuhr falsch deklarierter Wildfänge auszuschließen. Der Handel mit Tieren, die nur in bestimmten Gebieten vorkommen – so genannte endemische Arten – soll verboten werden. Gleiches gilt für den Verkauf von Wildfängen über Tierbörsen. Wildtiere dürfen nur gehandelt und gehalten werden, wenn ihre Haltung unbedenklich und dauerhaft zu leisten ist.

Anja Linnekugel