Interview mit Martin Rabanus bei medienpolitik.net

Die SPD-Bundestagsfraktion möchte mit der geplanten Novelle des Filmförderungsgesetzes (FFG) den deutschen Film als Kultur- und Wirtschaftsgut stärken sowie die Qualität und Vielfalt des deutschen Filmschaffens unterstützen. Dazu Martin Rabanus, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, im Gespräch mit medienpolitik.net.

medienpolitik.net: Herr Rabanus, welchen Stellenwert nimmt für Sie die FFA innerhalb unseres Fördersystems ein?

Rabanus: Die FFA hat als Bundesanstalt des öffentlichen Rechts die Aufgabe, die Struktur der deutschen Filmwirtschaft und die kreativ-künstlerische Qualität des deutschen Films für seinen Erfolg im Inland und Ausland zu fördern. Durch ihre Struktur der Selbstverwaltung ist sie so nah wie möglich an der Branche selbst und kann auf deren Bedürfnisse unmittelbar reagieren. Die FFA-Förderung ist essentiell für unsere Kinos und spielt auch für die Bewahrung des Filmerbes eine enorme Rolle. Wir haben also gute Gründe uns dafür einzusetzen, dass die FFA auch in Zukunft eine gewichtige Rolle innerhalb des deutschen Film-Fördersystems spielt.

Sollte die FFA auch künftig ausschließlich Kino-Filme fördern?

Sie sollte auf jeden Fall vorrangig für die Förderung von Kinofilmen zuständig sein. Inwieweit vor dem Hintergrund veränderter Sehgewohnheiten weitere Filmformate, wie zum Beispiel Serien, mit in die Förderung einbezogen werden sollten, gilt es im aktuellen Prozess rund um die FFG-Novelle mit zu beleuchten.

Was wären für Sie die Maßstäbe für eine Förderung von Kino-Filmen durch die FFA im Unterschied zu anderen Fördermöglichkeiten durch Bund und Länder?

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es für mich keine FFG-Novelle „gegen die Branche“ geben soll. Die Maßstäbe zur Förderung von Kinofilmen durch die FFA ergeben sich aus dem Dialogprozess mit der Filmbranche. Themen wie Gleichstellung, Diversität und Nachhaltigkeit spielen beispielsweise eine größere Rolle. Insgesamt geht es in der deutschen Förderlandschaft darum, die verschiedenen Fördertöpfe auf Bundesebene (FFA, DFFF 1 & 2, GMPF und die kulturelle Filmförderung) besser zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. In diesem Zusammenhang müssen wir auch darüber diskutieren, ob sich die FFA auf Kernaufgaben reduzieren sollte und wenn ja, welche Aufgaben ihren Kern bilden. Darüber hinaus bedarf es einer engen Abstimmung mit den Ländern und ihren jeweiligen Förderungen, um den deutschen Film bestmöglich gezielt fördern zu können.

„Nicht jeder Stoff muss es auf die Kinoleinwand schaffen und es bedarf immer wieder eines kreativen Prozesses außerhalb zu enger Fristen.“

Die SPD-Bundestagsfraktion hatte unlängst in einem Expertengespräch über die Novellierung des FFG beraten. Was waren für Sie die wichtigsten Ergebnisse dieser Anhörung?

Am 14. November fand auf Einladung der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundesfraktion ein „Filmpolitischer Dialog“ mit Vertreterinnen und Vertretern der Filmbranche statt. Im Zentrum stand dabei das Thema „Zukunftsperspektiven der Filmförderung in Deutschland“ und die Frage, welche politischen Impulse nötig sind, damit sich der deutsche Film national und international gerade auch unter den Bedingungen des digitalen Wandels behaupten kann. Einige wichtige Aspekte kristallisierten sich im Dialog heraus. Es war und ist das gemeinsame Ziel aller Beteiligten, die Produktion von Kinofilmen in Deutschland wieder lohnenswert zu machen – dabei spielen Wertschöpfungsketten, die Fördersystematik sowie das Konkurrenzverhältnis zu den Plattformen eine wichtige Rolle. Ein weiterer Aspekt ist die Notwendigkeit, die Einnahmebasis der FFA zu verbessern. Die Verbesserung von Arbeitsbedingungen von Filmschaffenden vor und hinter der Kamera ist zudem von enormer Bedeutung, denn sie sind das Herz eines jeden Films. In Zeiten von Vollbeschäftigung in der Filmbranche gibt es eine starke Konkurrenz um Fachpersonal. Auch mit Blick auf die Zukunft ist eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung daher sehr wichtig. Darüber hinaus gibt es in den Bereichen Gleichstellung, Diversität und Nachhaltigkeit noch sehr viel zu tun. Und, es gilt zu hinterfragen, ob die Gremien der FFA richtig aufgestellt sind.

Die Verbesserung der Stoffentwicklung und ein effektiveres Marketing scheinen sich als wichtige Schwerpunkte für eine Neufassung des FFG abzuzeichnen. Sollten diese Bereiche zulasten der Produktion stärker gefördert werden oder müssen die Fördermittel von Bund und Ländern erhöht werden?

Wir haben heute in Deutschland eine Filmförderung auf hohem Niveau – die Förderung durch den Bundestag ist über die letzten Jahre deutlich gestiegen. Die Fördertöpfe sind also gut gefüllt, jedoch spiegelt sich das nicht in breitem, auch internationalem Erfolg des deutschen Films wider. Wir müssen uns Fragen stellen wie: Haben wir es in Deutschland mit einer Fehlförderung zu tun? Werden eigentlich die richtigen Filme gefördert? Werden kulturell anspruchsvolle und wirtschaftlich vielversprechende Filme falsch oder zu wenig gefördert? Bei der Förderung von Filmen muss es aus meiner Sicht heißen: Qualität vor Quantität! Es geht eben nicht primär darum, eine möglichst große Anzahl von Filmen zu fördern, sondern zielgerichtet solche, die auch eine Chance auf Erfolg haben, sei es bei den Zuschauerinnen und Zuschauern im Kino und/oder bei nationalen und internationalen Filmfestivals. Im Zuge einer zielgenauen Förderung geht es darum, die Qualität der verfilmten Stoffe zu erhöhen und sicherzustellen, dass gute Stoffe ihren Weg auf die Leinwand finden. Zeitgleich müssen wir davon wegkommen, dass es zu früh einen „Point of no Return“ gibt, d.h. durch ungünstige Förderbedingungen ein regelrechter Zwang entsteht, ein Drehbuch zu realisieren. Nicht jeder Stoff muss es auf die Kinoleinwand schaffen und es bedarf immer wieder eines kreativen Prozesses außerhalb zu enger Fristen. Drehbuchstoffentwicklung spielt in diesem Prozess also ebenso eine gewichtige Rolle wie die effektive Nutzung von Marketing – gerade auch, um gegenüber Marktteilnehmern wie VoD-Plattformen bestehen zu können. Über eine genaue Verteilung der FFA-Förderung sind wir derzeit in engem Austausch mit der Branche.

Die Evaluierungsstudie der FFA hat sinkende Einnahmen für die FFA in den nächsten Jahren ergeben. Wie kann der FFA-Etat wenigstens auf einer Höhe von 50 Mio. Euro gesichert werden?

Unser Ziel ist es, mehr Menschen ins Kino zu bringen. Und je mehr Menschen das Kino besuchen, desto besser sind auch die Kassen der FFA gefüllt. Um das Ziel von 50 Mio. Euro perspektivisch zu sichern, ist es zudem nötig, eine möglichst umfassende, faire Einbindung aller Akteure der Filmbranche in die Abgabenpflicht zu erreichen. Ob Kino, Fernsehsender oder VoD-Plattformen – alle müssen ihren Teil dazu beitragen, sofern notwendig auch mehr als bisher.

„Ich mache keinen Hehl daraus, dass aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion ein deutlich höherer Betrag für das ‚Zukunftsprogramm Kino“ notwendig wäre.‘

Welche Rolle müssen die VoD-Plattformen künftig bei der Finanzierung der FFA spielen?

Aktuell gibt es in der Filmbranche große Umbrüche. Immer mehr Menschen, insbesondere die jüngere Generation, nutzen Medien auf unterschiedlichsten Wegen, die Sehgewohnheiten verändern sich stetig. Das sind große Herausforderungen für den Filmbereich. Die VoDPlattformen spielen hier zunehmend eine Rolle. Dementsprechend müssen sie einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der FFA leisten. Das ist nur fair, denn es geht nicht, dass die Plattformen enorme Gewinne einstreichen, sich aber auf der anderen Seite kaum oder oft nicht entsprechend beteiligen. Einige Streaming-Anbieter kommen ihrer Verpflichtung bereits nach. Wir erwarten von den anderen großen, auch internationalen VoD-Plattformen, dass auch sie hier zeitnah mitwirken.

In diesem Jahr wurden vom Bund zusätzliche Fördermittel für die Kinos im ländlichen Raum zur Verfügung gestellt. 2020 soll das Zukunftsprogramms Kino mit 17 Mio. Euro starten. Ist das ausreichend, um die Kinos für die Zukunft fit zu machen? Die Verbände hatten deutlich mehr gefordert…

Kinos spielen insbesondere im ländlichen Raum eine große Rolle. Nicht nur als Abspielort, in Zeiten des digitalen Wandels bieten sie ein Gemeinschaftserlebnis. Sie sind wichtige Kultur- und Begegnungsorte, für deren Schutz und Erhalt sich die SPD-Bundestagsfraktion stark macht. Dafür haben wir, so wie im Koalitionsvertrag dank der SPD bereits verankert, das „Zukunftsprogramm Kino“ initiiert. Es startet 2020 mit 17 Mio. Euro und soll den Kulturort Kino in ganz Deutschland, besonders in ländlichen Regionen, stärken. Wir sehen ja durch den Erfolg des im Juli 2019 gestarteten und mit 5 Mio. Euro über den Bundestag geförderten „Soforthilfeprogramms für Kinos in ländlichen Räumen“, dass diese Mittel dringend von den Kinos benötigt werden. Die Mittel sorgen dafür, dass im Kultur- und Begegnungsort Kino nicht nur die digitale Kundenbindung und Nachhaltigkeit, sondern auch der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt wird. Und diesen Zielen ist die Sozialdemokratie natürlich ganz besonders verbunden. Ich mache daher auch keinen Hehl daraus, dass aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion ein deutlich höherer Betrag für das „Zukunftsprogramm Kino“ notwendig wäre. Eine Erhöhung des Etats war jedoch leider in den aktuellen Haushaltsverhandlungen in der Koalition nicht umsetzbar. Ich werde hier aber weiter dranbleiben und mich dafür starkmachen, dass das Zukunftsprogramm 2021 einen Aufwuchs erhält.