Ein Gastbeitrag von Lothar Binding

Wenn Vermögen vorhanden ist, das weit über die eigene Existenz- und Risikoabsicherung hinausgeht, ist es an der Zeit, der Gesellschaft einen Teil dieses Vermögens zurückzugeben. Warum, lesen Sie hier.

Das Vermögen der Vermögenden wächst unaufhaltsam. Die Hälfte der Bevölkerung hat kein Vermögen – die ärmere Hälfte. Vermögen dient der Absicherung Einzelner – die Risiken des Lebens lassen sich so minimieren. 80 Prozent stammt übrigens aus Erbschaften. Wenn aber Vermögen vorhanden ist, das weit über die eigene Existenz- und Risikoabsicherung hinausgeht, ist es an der Zeit, der Gesellschaft einen Teil dieses Vermögens zurückzugeben. Kurz: Es geht um Multimillionäre und Milliardäre und um Investitionen in Infrastruktur, bezahlbares Wohnen und Klimaschutz. Viele Hochvermögende sind dazu auch gern bereit – sie haben ein Gefühl von Gerechtigkeit und wollen Verantwortung für die Gesellschaft tragen.

Unser derzeitiges Steuersystem befördert die Ungleichheit. Deshalb brauchen wir ein System, das für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Bildung von Vermögen erleichtert und eine Vermögensteuer, um die Wohlhabenden angemessen an den Gemeinschaftsaufgaben zu beteiligen. Heute betragen die vermögensbezogenen Steuern nur 1 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Mit einem hohen Freibetrag von einer Million Euro und niedrigen Steuersätzen, etwa zwischen ein und zwei Prozent auf das Vermögen, gehen wir einen Schritt in Richtung Gerechtigkeit. Wer damit ein Problem hat – dem nehme ich es gerne ab: das Vermögen und die Steuerlast.

Lothar Binding ist finanzpolitscher Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.