Vorschläge zur Kultur- und Kreativpolitik diskutiert

Nicht nur, aber auch das Konzept für einen Kreativpakt war für die Mitglieder der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion am 20. November 2012 Anlass, das Kunstquartier Bethanien – eines der zentralen Informations- und Dokumentationszentren und Netzwerkplattform für die Darstellenden Künste in Deutschland – zu besuchen.

Besonders interessiert waren die Abgeordneten daran, einen Eindruck von den vielfältigen Initiativen, Produktionsgruppen, Vereinen und Verbänden im Bereich der Darstellenden Kunst zu bekommen. Beim Rundgang durch das beeindruckende Haus mit seiner überaus wechselhaften Geschichte – Mitte des 19. Jahrhunderts als Krankenhaus errichtet, Anfang der 1970er-Jahre besetzt und später als Zentrum für Kultur und Soziales wiedereröffnet – besuchten die Abgeordneten unter anderem

  • das „Internationale Theaterinstitut (ITI)“ mit der vom ITI als Projekt getragenen Mediathek für Tanz und Theater im Mime Centrum Berlin,
  • das „KOSTÜMKOLLEKTIV e. V.“, eine gemeinsame Lager- und Werkstätte für Kostüm- und Maskenbild für freie Projekte der Darstellenden Künste und der kulturellen Bildung,
  • „NORDWIND“, eine Plattform und Festival für darstellende Kunst und Musik aus den nordischen und baltischen Ländern,
  • den Dachverband Tanz Deutschland als die kulturpolitische Vertretung des Tanzes auf Bundesebene,
  • und zum Schluss den Bundesverband Freier Theater e.V. (BUFT), der die Interessen der Tanz- und Theaterschaffenden sowie der Spielstätten der professionellen freien Darstellenden Künste auf Bundesebene vertritt.

Beim abschließenden Round-Table-Gespräch beim BUFT, an dem Akteure fast aller im Kunstquartier vertretenen Initiativen und Projekte teilnahmen, wurden die Erwartungen der Darstellenden Künste an die Politik formuliert und diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die im Kreativpakt beschriebenen Ansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Kultur- und Kreativwirtschaft richtig sind. Eine Modernisierung der Künstlersozialversicherung, um selbstständigen Künstlerinnen und Künstlern den Zugang zu dieser einzigartigen Künstlersozialkasse zu erleichtern sei ebenso anzustreben wie die Verankerung von Mindesthonoraren in der öffentlichen Kunst- und Kulturförderung.

Auch für den Bereich der Kulturförderung wurden konkrete Vorschläge der Akteure diskutiert, wie beispielsweise eine Förderung für international herausragende Produktionen im Bereich Tanz und die bestehende Lücke in der Förderung durch den Fonds Darstellende Künste (bis zu 15.000 Euro) und der Kulturstiftung des Bundes (ab 50.000 Euro). Zudem nannten die Akteure konkrete Beispiele, die deutlich machten, dass sich die mit öffentlicher Förderung oftmals auch verbundene Bürokratie stärker an den Realtitäten ihrer Arbeit orientieren sollte. Auch die im Kreativpakt benannte stärkere Verknüpfung zwischen den Fördermöglichkeiten auf EU-, Bundes- und Länderebene wurde angesprochen.
Insgesamt brachte dieser Besuch für die Mitglieder der Arbeitsgruppe Kultur und Medien einen sehr konkreten Einblick in die Arbeit vieler Initiativen und Projekte in der Darstellenden Kunst. Sie sicherten zu, die vielen wertvollen Hinweise in den kulturpolitischen Initiativen der SPD-Bundestagsfraktion in den kommenden Wochen und Monaten zu berücksichtigen. Zudem verständigten sie sich darauf, gleich zu Beginn des Jahres 2013 in kleinerer Runde einige Themen noch einmal zu vertiefen.

 

Thomas Friebel

Der Kreativpakt