Sanae Abdi, entwicklungspolitische Sprecherin:

„Dass Deutschland für die Jahre 2027 und 2028 keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhält, ist enttäuschend. Die Entscheidung sollte uns wachrütteln. Internationale Partnerschaften entstehen nicht kurzfristig. Vertrauen wächst über Jahre und durch kontinuierliche Zusammenarbeit. Gerade die Entwicklungszusammenarbeit ist dabei zentral. Wer globale Herausforderungen gemeinsam bewältigen will, muss langfristig in Beziehungen investieren, nicht erst, wenn die finale Entscheidung ansteht.

Verlässlichkeit entsteht durch nachhaltiges Engagement, durch Solidarität und durch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Zu dieser Verlässlichkeit gehört auch die konsequente Orientierung am Völkerrecht. Es ist die Grundlage der regelbasierten internationalen Ordnung und muss für alle gleichermaßen gelten. Wo der Eindruck unterschiedlicher Maßstäbe entsteht, leidet die Glaubwürdigkeit. Das kostet Vertrauen. Die heutige Entscheidung sollte uns anspornen: Wer international Verantwortung übernehmen will, muss auch bereit sein, in die Bereiche investieren, die Vertrauen schaffen und Partnerschaften tragen: die Entwicklungszusammenarbeit und eine starke internationale Präsenz.“

Adis Ahmetović, außenpolitischer Sprecher:

„Das Ergebnis enttäuscht uns sehr. Die Kandidatur Deutschlands für den UN-Sicherheitsrat war auch ein Gradmesser dafür, wie unser Land international wahrgenommen wird. Als nichtständiges Mitglied hätte Deutschland zusätzliche Verantwortung übernehmen und Brücken bauen können. Die Nichtwahl ist deshalb ein spürbarer außenpolitischer Rückschlag.

Vor allem aber: Die Nichtwahl ist kein Betriebsunfall, sondern ein Warnsignal. Dieses Ergebnis fällt nicht vom Himmel. Wir müssen uns ehrlich fragen, welche Signale Deutschland in den vergangenen Jahren ausgesendet hat. Wer den Anspruch erhebt, Hüter der regelbasierten internationalen Ordnung zu sein, darf beim Völkerrecht keine doppelten Maßstäbe anlegen. Internationale Glaubwürdigkeit lässt sich nicht einfordern – man muss sie sich erarbeiten. Deutschland wird wieder stärker auf Dialog und Diplomatie und noch mehr auf Partnerschaften auf Augenhöhe setzen müssen.“