Zum Abschlussbericht der Europäischen Kommission über den AKW-Stresstest erklärt der atompolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Marco Bülow:

Die Atomkraftwerke in Europa weisen schwere Mängel auf. Das ist das Ergebnis des Europäischen Stresstest. Dies ist sehr bedenklich, weil der Stresstest primär auf Betreiberangaben beruht und eine Reihe von wichtigen Sicherheitsfragen, wie den Schutz gegen Terrorangriffe, überhaupt nicht ausreichend beachtet wurden.

Wenn der Test so viele Lücken aufweist und trotzdem zu dem Ergebnis kommt, dass gravierende Sicherheitsdefizite vorliegen, dann ist es um die Sicherheit der Menschen in Europa schlecht bestellt.

Besonders bedenklich stimmt, dass jeder Betreiber zwar selbstverständlich behauptet, seine AKW seien absolut sicher, aber bestimmte dringende Sicherheitsmaßnahmen, selbst Jahrzehnte nach erfolgter Vereinbarung, noch immer nicht umgesetzt worden sind. Ausgerechnet in unserem Nachbarland Frankreich, dem Land mit den meisten AKW in Europa, ist die Mängelliste lang. Die Betreiber nehmen das Thema Sicherheit offensichtlich nicht ernst genug. Von daher wird es Zeit, endlich genauer hinzusehen und klarere Regeln aufzustellen.

Eine erneute Sicherheitsüberprüfung ist dringend notwendig. Diese muss umfassender sein, einer klaren Methodik folgen und alle erdenklichen Szenarien einschließen. Es müssen klar definierte Sicherheitsstandards für alle europäischen Atomkraftwerke gelten. Nur so kann eine genaue Vergleichbarkeit der einzelnen Reaktoren gewährleistet werden. Zudem müssen in die Überprüfung auch unabhängige Experten einbezogen werden, nicht nur diejenigen, die hierfür schon seit Langem zuständig sind. Sich allein auf die Datenlage der Betreiber zu verlassen, reicht nicht aus. Eine solche Überprüfung ist deutlich aufwändiger und zeitintensiver. Die Sicherheit der Menschen sollte dies Wert sein.