Unsere zentralen Forderungen an eine grundlegende Verbesserung der Armuts- und Reichtumsberichterstattung wurden in der heutigen Anhörung im Ausschuss Arbeit und Soziales bestätigt, berichten Hilde Mattheis und Gabriele Hiller-Ohm. Die Auswahl und Qualität der verwendeten Daten, ihre Aktualität, ihre Vergleichbarkeit nach unterschiedlichen Erhebungsarten und in langen Zeitreihen müssen aktualisiert werden.

 

Unsere zentralen Forderungen an eine grundlegende Verbesserung der Armuts- und Reichtumsberichterstattung wurden bestätigt: Die Auswahl und Qualität der verwendeten Daten, ihre Aktualität, ihre Vergleichbarkeit nach unterschiedlichen Erhebungsarten (EU-SILC, SOEP, EVS) und in langen Zeitreihen müssen aktualisiert werden.

 

Vor allem müssen die Defizite der Datenerhebung im Hinblick auf die "Reichtumsberichterstattung" behoben werden. Es liegt in Deutschland kein fundiertes Wissen über das oberste Prozent der Einkommens- beziehungsweise Vermögensverteilung vor. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Aktualität der Berichterstattung in dieser Hinsicht von besonderer Relevanz.

 

Die Ursachen und Auswirkungen der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft müssen sich in den Analysen des 4. Armuts- und Reichtumsberichts niederschlagen.

 

Reichtum und seine Entstehungsfaktoren müssen einbezogen sowie vererbtes und verschenktes Vermögen abgebildet werden. Außerdem muss dargestellt werden, dass Vermögen mit Aufstiegschancen und dem Wahrnehmen von Bildungsangeboten verknüpft ist.

 

Eine solche Bestandsaufnahme ergäbe ein annähernd objektives Bild der gesellschaftlichen Realität in Deutschland. Dazu gehört auch die Betrachtung von Lebenslagen über längere Zeiträume, der sozialen Mobilität und der Wirkung von Verteilungsgerechtigkeit.

 

Die für den 4. Armuts- und Reichtumsbericht geplante lebenslauforientierte Betrachtung muss vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen und ihrer strukturellen Ursachen eingeführt und bewertet werden.

 

Ein weiterer Schwerpunkt soll die Darstellung der sozialen Kosten und Verwerfungen einbeziehen, die durch Armut und soziale Ungleichheit produziert werden. Die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung muss Grundlage für die Ausgestaltung einer sozial gerechten Politik werden. Dazu gehört die Selbstverpflichtung zu Handlungsmaßnahmen - etwa zur Bekämpfung von Kinderarmut - und das Erarbeiten nachprüfbarer quantitativer und qualitativer Ziele, die auch künftige Entwicklungen im Blick haben, wie die langfristig drohende Altersarmut.