Angesichts von 7,5 Millionen vom funktionalen Analphabetismus betroffener Menschen fragt man sich, wieso die Bundesregierung so untätig bleibt. Die Herausforderung ist enorm, die Analyse liegt vor, die Instrumente und Einrichtungen sind vorhanden und auch die Kompetenz des Bundes, hier einen Lösungsbeitrag leisten zu können, ist unbestritten. Ernst Dieter Rossmann fordert von der Bundesregierung die Initiative zu ergreifen und einen „Pakt für Alphabetisierung“ auf den Weg zu bringen.
Wo bleibt die deutsche Debatte? Angesichts von 7,5 Millionen vom funktionalen Analphabetismus betroffener Menschen fragt sich die Öffentlichkeit zu Recht, wieso trotz dieses "Alpha-Schocks" die Diskussion nicht so breit und intensiv geführt wird, wie sie es nach dem PISA-Schock vor gut einem Jahrzehnt wurde.
Die Herausforderung ist enorm, die Analyse liegt vor, die Instrumente und Einrichtungen sind vorhanden und auch die Kompetenz des Bundes, hier einen Lösungsbeitrag leisten zu können, ist unbestritten. Dennoch bleibt es auffallend ruhig im Bildungsministerium. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert von der Bundesregierung die Initiative zu ergreifen und einen "Pakt für Alphabetisierung" auf den Weg zu bringen. Ohne eine konzertierte Aktion wie in anderen europäischen Ländern werden wir in Deutschland bei dieser Frage keinen Fortschritt erzielen können. Wir sind davon überzeugt, dass der Bund dafür mindestens 20 Millionen Euro im Jahr in einen solchen Grundbildungspakt von Bund, Ländern und Kommunen geben muss, damit als Ziel rund 100.000 betroffene Menschen jährlich eine zweite Chance zur Grundbildung erhalten.
Selbst die Länder senden Signale, dass die Alpha-Herausforderung ohne entschlossenen Handeln des Bundes kaum zu bewältigen sein wird. Ein vom Bund initiierter Pakt kann daher wichtige Bausteine, wie zum Beispiel das Angebot von "Grundbildungspaketen" oder ein Sofortprogramm der Bundesagentur für Arbeit, das auf die Förderung speziell für funktionale Analphabeten in Beschäftigung ausgerichtet ist, verbinden und sinnvoll koordinieren. Der Pakt ist auch ein adäquates Mittel, um die unverzichtbare Qualität der Grundbildungsangebote und der lehrenden Fachkräfte sicherzustellen. Der Kampf gegen Bildungsarmut darf nicht beiden Kindern stehenbleiben. Die SPD bietet Bildungsministerin Annette Schavan ausdrücklich an, sie bei einer solchen Initiative des Bundes zu einem "Alpha-Pakt" zu unterstützen.