Veranstaltung "Inklusion im Sport" voller Erfolg

Eines der großen Ziele der SPD-Bundestagsfraktion ist eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, niemanden ausschließt, sondern alle teilhaben lässt – eine inklusive Gesellschaft. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, Menschen mit Behinderung von Anfang an gesellschaftlich einzubinden. Das bezieht sich ausdrücklich auch auf den Sport. Aber wie sieht es in der Realität aus? Findet inklusiver Sport in der Spitze und in der Breite statt? Welche Angebote, Maßahmen und Projekte gibt es? Wo mangelt es an Angeboten, Freiheiten, Initiativen? Welchen Einsatz wünschen sich die Aktiven?

Diese und andere Fragen diskutierten die Sportpolitikerinnen und -politiker der SPD-Bundestagsfraktion mit einer imponierenden Zahl von Gästen aus dem Behindertensport im Reichstagsgebäude. Titel der Veranstaltung: „Inklusion im Sport. Gleichberechtigte Teilhabe für Menschen mit und ohne Behinderung“. Eingeladen hatte die Arbeitsgruppe Sport unter der Leitung von Martin Gerster.

Zu Gast waren neben hohen Funktionären wie Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Manfred von Richthofen, Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, auch Spitzensportlerinnen und -sportler aus dem Behindertensport wie etwa Paralympicsieger Heinrich Popow (Sprint), Thomas Ulbricht (Leichtathletik) oder Marianne Buggenhagen (Kugelstoßen), allesamt Paralympics-Teilnehmer.

In ihrem Eröffnungsstatement sagte die SPD-Fraktionsvizin Christine Lambrecht, die Diskussion über Inklusion beginne bei den Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, in Grundschulen, in Vereinen. Es fehlten jedoch oft Angebote für Behinderte, besonders im Sport, und hier insbesondere auf dem Land. „Es gibt zu wenig Kontakt zwischen Behinderten und Nichtbehinderten.“

Wann werden Behindertensportverbände überflüssig?

Bei der ersten Forumsdiskussion saßen Moderator Hermann Krist (SPÖ), Vizepräsident des österreichischen paralympischen Committees, Friedhelm Julius Beucher, Weltmeister Heinrich Popow, Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses, Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Dr. Bernhard Conrads, Vizepräsident Special Olympics, auf dem Podium.

Dagmar Freitag konstatierte, dass die Frage der Inklusion in die Mitte der Gesellschaft gehöre, und auf allen Ebenen – Bund ,Länder, Gemeinden – überlegt werden müsse, wie ein Mit- und Nebenbeinander von Behinderten und Nichtbehinderten verbessert werden kann. Freitag: „Wir brauchen bauliche Veränderungen genauso wie bessere und mehr Schulungen für Übungsleiter in Vereinen“.

Friedhelm Julius Beucher fragte in den Saal, wann das Ziel erreicht sei, dass gar keine Behindertensportverbände mehr gebraucht werden? Er konzedierte, dass sich das Nischendasein des Behindertensports zwar verbessert habe, es aber noch ein weiter Weg zur vollständigen Inklusion sei. „Wir wollen kein Mitleid, wir wollen Respekt“, sagte der Präsident des Behindertensportverbandes.

Ulla Schmidt warnte, bei allen Diskussionen auch handlungsfähig zu bleiben. Schmidt: „Barrierefreiheit heißt nicht, nur Rampen für Rollstuhlfahrer zu bauen“. Es müsse vielmehr Möglichkeiten zur individuellen Bewegung geben.

Bernhard Conrads ergänzte, dass Barrierefreiheit für geistig Behinderte bedeute, bessere Zugänglichkeit, etwa bei der Sprache, zu bekommen. „Wir müssen uns daran gewöhnen, mehr in leichter Sprache zu kommunizieren, damit auch geistig Behinderte teilhaben können.“

Heinrich Popow, gebürtiger Kasache, erzählte von seiner Amputation. Mit sehr viel Offenheit schilderte er seinen Lebensweg und sagte, das Leben als Behinderter könne negativ, aber eben auch positiv sein. Die Menschen sollten nicht solche Berührungsängste mit Behinderten haben. Seine Trainer hätten oft Angst gehabt – doch „wir Athleten wollen Vorbilder sein. Alles fängt im Kopf an. Wenn der Kopf, die innere Einstellung funktioniert, ist eine Behinderung fast gar nicht mehr da“. Dabei wolle er helfen.

Diskussionsrunden im World Café

Nach der Diskussionrunde teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im so genannten World Café in vier Gruppen auf, um dort Lösungsansätze zu entwickeln:

  • AG1 Anforderungen an barrierefreie Infrastruktur
  • AG2: Grenzen und Chancen barrierefreier Kommunikation
  • AG 3 Inklusive Sportveranstaltungen als Vision der Zukunft
  • AG 4 Markt der Möglichkeiten. Best Practices

Die Ergebnisse wurden anschließend in einer weiteren Diskussionsrunde unter der Moderation von Sabine Bätzing-Lichtenthäler, stellv. sportpolitische Sprecherin der Fraktion, vorgestellt.

Die AG1 etwa fordert eine verbesserte Service- und Logistikkette für behinderte Sportler. Das beginnt beim Transport von daheim bis zur Sportstätte usw. Auch das Management für Bedürfnisse müsse verbessert werden.

Die zweite Gruppe will die Kommunikation verbessern, zur Not auch per gesetzlicher Vorgabe. Zudem sollen Homepages besser gestaltet werden, etwa für Gehörlose und Blinde.

Die AG3 wünscht sich mehr Veranstaltungen im inklusiven Bereich, gern auch Wettkämpfe. „Wir wollen ein Stück mehr Normalität zwischen Behinderten und Nichtbehinderten“, sagte Marianne Buggenhagen. Die Gruppe will verhindern, dass Behinderte, zum Beispiel im Sportunterreicht, zu Zuschauern degradiert werden.

Die vierte Gruppe schließlich präsentierte eine Vielzahl von Best-Practice-Beispielen und fordert mehr inklusive Sportangebote, den barrierefreien Ausbau von Sportstadien und Projekte zur Bewusstseinsbildung.

Martin Gerster dankte am Ende allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl an Lösungsvorschlägen. „Diese Veranstaltung zeigt, dass es noch viel zu tun gibt, wir aber auf einem guten Weg sind; der Dialog muss fortgesetzt werden.“

Mehr Fotos von der Veranstaltung sind auf www.spdfraktion.de/flickr zu finden.

Christine Lambrecht und Martin Gerster zur Inklusion im Sport