Swen Schulz (Spandau) (SPD):
Nachdem der Wissenschaftsrat im Januar 2010 empfohlen hat, islamische Studien an Hochschulen zu etablieren, hat die Bundesregierung im Grundsatz richtig reagiert: Es wurden Fördermittel zur Verfügung gestellt, um die Bundesländer und Hochschulen bei der Einrichtung der neuen Zentren zu unterstützen. Inzwischen gibt es vier Zentren, die von dieser Unterstützung profitieren.
Doch leider hat die Bundesregierung versäumt, auch die Einrichtung eines Zentrums für alevitische Studien zu fördern. Nach Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge leben in Deutschland zwischen 480 000 und 552 000 Menschen mit alevitischer Glaubensrichtung. Die Alevitische Gemeinde ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft in Deutschland. Für sie muss der Gleichbehandlungsgrundsatz auch in dieser Frage gelten. Zumal die zentralen Argumente, die für die Einrichtung islamischer Studien gelten, auch hier Bedeutung haben.
Bereits 2002 ermöglichte Berlin als erstes Bundesland alevitischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Inzwischen wird in sieben Bundesländern alevitischer Religionsunterricht angeboten. In weiteren Bundesländern laufen Vorbereitungen und Verhandlungen. Diese Entwicklung macht deutlich, dass eine Etablierung einer Ausbildung alevitischer Religionsgelehrter und Pädagogen an Hochschulen in Deutschland notwendig ist und unterstützt werden muss.
Darüber hinaus geht es grundsätzlich darum, wie bei anderen Theologien eine wissenschaftliche Beschäftigung in und mit dem Glauben zu organisieren. Das ist Voraussetzung für einen vertieften Dialog über Grundlagen und Ausrichtung der Religionen und der Religionsgemeinschaften in Deutschland. Dies ist ein Zukunftsthema.
Die Religionen sollen Teil einer lebendigen, demokratischen und sozialen Gesellschaft sein – dafür liefert die wissenschaftliche theologische Debatte unverzichtbare Grundlagen. Ohne gegenseitigen Respekt und Toleranz, ohne Gleichbehandlung und Akzeptanz ist gutes Zusammenleben nicht erreichbar. Und dazu gehört eben auch der Umgang mit dem anderen Glauben.
Gerade bei der gesellschaftlichen Debatte ebenso wie bei der Vermittlung von Glaubensfragen müssen wir weltoffen, pluralistisch und integrativ handeln. Der alevitische Glaube hat seine Rolle und Bedeutung. Das muss durch die Einrichtung eines Zentrums für alevitische Studien an einer deutschen Universität verdeutlicht und unterstützt werden. Wir fordern darum die Bundesregierung auf, einen Wettbewerb zur Einrichtung eines solchen Zentrums auszuschreiben.