Bilanz und Perspektiven der Freiwilligentätigkeit in Europa

Die Europäische Idee wird momentan durch die Finanz- und Euro Krise diskreditiert. Europa ist aber mehr als eine Ansammlung von Banken. Europa wird nicht allein von einem milliardenschweren Rettungsschirm zusammengehalten.

Zusammengehalten wird es durch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, ihr freiwilliges und selbstorganisiertes Handeln, ganz im Sinne des Leitspruchs "Einheit in Vielfalt". 94 Millionen Menschen, das sind 23 Prozent der Europäerinnen und Europäer über 15 Jahren, sind in der ein oder anderen Form freiwillig engagiert. Alleine in Deutschland sind es 23 Millionen, also mehr als jeder Vierte.Europa ist Verständigung und Begegnung über kulturelle und sprachliche Unterschiede hinweg. Und Europa ist die Überwindung nationalstaatlicher Egoismen.

Freiwillig. Etwas bewegen!“, unter diesem Motto haben EU-Kommission, der Rat der EU und das Europäische Parlament das Jahr 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft“ ausgerufen. Ziel ist es, günstige Rahmenbedingungen für Engagierte in der EU zu schaffen. Freiwilligenorganisationen sollen gestärkt, die Qualität der Freiwilligentätigkeit verbessert und Engagement anerkannt werden. Die herausragende Bedeutung von Engagement und Freiwilligkeit für den sozialen Zusammenhalt in Europa soll in den Mittelpunkt gestellt werden.

Das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit geht zu Ende. Die SPD-Bundestagsfraktion zieht Bilanz. Konnte man sich auf eine gemeinsame Definition von Bürgerschaftlichem Engagement verständigen? Welchen Stellenwert hat Bürgerschaftliches Engagement in Europa, heute und in der Zukunft? Was wurde für die Engagierten in Europa erreicht? Erhalten Engagierte die notwendige Anerkennung, oder werden sie in Zeiten knapper Kassen immer mehr als Ausfallbürgen für staatliche Sozialleistungen benutzt? Wie müssen die Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden?

Auf unserem Kongress "Engagiert in und für Europa" haben wir gemeinsam mit mehr als 100 Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik das Europäische Jahr der Freiwilligen Tätigkeit Revue passieren lassen. Wir haben darüber diskutiert, was Engagement in Europa überhaupt bedeutet. Die Vielfalt Europas spiegelt sich auch im unterschiedlichen Verständnis von Engagement wieder. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, Engagierte in Europa handeln: freiwillig, unentgeltlich, aus persönlicher Motivation und streben nicht nach finanziellem Gewinn. Kurz: Freiwilligkeit heißt gelebte Solidarität!

Gesine Schwan gab uns mit auf den Weg, dass Engagement aber auch anstößig sein darf und muss, um auf Missstände hinzuweisen und demokratische Beteiligung einzufordern.

Engagierte sind Partner auf Augenhöhe. Die Politik muss das auch aufnehmen, was von der Zivilgesellschaft kommt. Auf Kommunal- und Landesebene genauso wie auf nationaler und europäischer Ebene. Wo es an Strukturen zur Engagementförderung mangelt, müssen diese ausgebaut oder neu geschaffen werden.

Das Jahr 2013 wird das "Europäische Jahr der Bürgerinnen und Bürger". Wir fordern die Bundesregierung auf, initiativ zu werden und die Beteiligung auf europäischer Ebene auszubauen.

Ute Kumpf zu Bilanz und Perspektiven der Freiwilligentätigkeit in Europa