Warum der Mindestlohn keine Jobs kostet

Schlecht für den Wettbewerb, enorme Arbeitsplatzverluste – jahrelang waren das die Hauptargumente gegen die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland. Bis zuletzt malten wirtschaftsnahe Forschungsinstitute Horroszenarien an die Wand: Zwischen 500.000 und 1 Million Arbeitsplätze würde die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns kosten. Die aktuellen Zahlen zeigen ein anderes Bild.

 

Schon im Dezember sah die Bundesagentur für Arbeit keinerlei Anzeichen dafür, dass die Arbeitslosigkeit aufgrund des Mindestlohns über das saisonübliche Maß hinaus ansteigen werde. Denn in diesem Fall hätten sich ungewöhnlich viele Menschen arbeitssuchend melden müssen.

„Der Arbeitsmarkt hat sich in einer wirtschaftlich schwächeren Phase behauptet und bleibt auch im neuen Jahr robust. Größere negative Wirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind gegenwärtig nicht wahrnehmbar“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Bei den prognostizierten Entlassungen habe es sich offenbar um Theaterdonner gehandelt, sagt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. „Das ist ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt und ein Zeichen, dass der Mindestlohn als Anstandsgrenze nach unten in Kürze auch in Deutschland Normalität sein wird.“

Günstige Voraussetzungen

Empirisch belegen lässt sich die Legende vom Jobkiller Mindestlohn ohnehin nicht. Forscher der Uni Duisburg-Essen haben im Juni 2014 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung den aktuellen Stand der Mindestlohntheorie und -forschung in Deutschland und international analysiert. Mit eindeutigem Ergebnis: Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen. Laut den Autoren Prof. Dr. Gerhard Bosch und Dr. Claudia Weinkopf sind in Deutschland grundsätzlich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und problemlose Einführung des Mindestlohns günstig. Das Gesetz nennen die Forscher auch mit Blick auf Erfahrungen aus dem Ausland „bedacht und vorsichtig“. Die Höhe des Mindestlohns von 8,50 Euro sei im europäischen Vergleich moderat. Unternehmen hätten mehr als ein Jahr Zeit erhalten, um sich auf den Mindestlohn vorzubereiten. Zudem gebe es die Möglichkeit, durch allgemeinverbindliche Tarifverträge bis Ende 2016 das Lohnniveau schrittweise anzupassen.

Der Text stammt aus der aktuellen Ausgabe der "Guten Arbeit".