Wiebke Esdar holt Direktmandat mit ungewöhnlichem Konzept

Zehn Tage lang im vergangenen Sommer hat die westfälische Stadt Bielefeld gerätselt, was es mit den auffälligen rot-weißen Plakaten auf sich hat, die überall in der Stadt an Laternen hingen. War es Kunst? Eine Guerilla-Aktion? Oder Protest? Nichts an ihnen gab einen Hinweis. Doch das Wort, das auf den Plakaten zu lesen war, elektrisierte die Menschen: „die Bielefeld-Idee“.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger riefen in den Lokalredaktionen der Presse an und machten auf die Aktion aufmerksam. Auch auf Facebook gab es plötzlich eine Seite zur Bielefeld-Idee. Und dann, nach zehn Tagen rätseln, waren die Plakate plötzlich über Nacht blau überklebt. Es blieb nur die Bitte, an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Platz zu erscheinen.

Schließlich gab sich Wiebke Esdar zu erkennen. Die SPD-Politikerin und ihr Team waren Urheber der Kampagne. Sie hatten sich das Konzept der „Bielefeld-Idee“ ausgedacht. Aufmerksamkeit und Neugier sollten geweckt werden – und die Ermunterung, sich zu beteiligen. Denn der Clou der Aktion: Jeder konnte seine Idee für Bielefeld auf Facebook oder per Postkarte hinterlassen.

Und Wiebke Esdar wollte diese Ideen als direkt gewählte Abgeordnete mit ins politische Berlin nehmen. So kam es dann auch. Die 33-jährige Urbielefelderin erreichte ein sensationelles Erstimmenergebnis: plus 7,8 Prozent im Vergleich zum Zweitstimmenergebnis.

Vor Freibädern plakatiert

„Wir wollten mit der Aktion zwei Dinge erreichen: mich als Person und als Direktkandidatin bekanntmachen. 300 Plakate an mehr als 30 Orten in Bielefeld klebten sie und ihre Mannschaft. „Es war ja Sommer also haben wir viele dieser Plakate vor Freibädern angebracht, um junge Leute anzusprechen“, erzählt Esdar.

Zudem hat sie Videos für Facebook gedreht, in denen sie sich vorstellte und die „Bielefeld-Idee“ erläuterte. Das Wichtigste sei es gewesen, einen Wiedererkennungswert zu schaffen, sagt Esdar. Schließlich habe keiner gewusst, wo die Idee herkommt und was sie bedeutet. Auf der Facebook-Seite zur „Bielefeld-Idee“ konnte nun jeder seine oder ihre Idee posten, parallel veranstaltete Esdar Pressegespräche. So vermischte Wiebke Esdar klassische Wahlwerbung wie Plakatekleben mit innovativen Ansätzen in den sozialen Medien. Die ganzen eingegangenen Ideen hat sie eingesammelt und will sie nun, soweit das geht, im Deutschen Bundestag einbringen.

Im Parlament will sich Wiebke Esdar vor allem der Bildungspolitik widmen – als promovierte Psychologin kommt sie aus der Forschung. Seit 2010 arbeitet sie wissenschaftlich an der Uni Bielefeld.

Seit 2014 ist Wiebke Esdar direkt gewähltes Ratsmitglied für den Wahlkreis Sudbrack und ist jugendpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion. Außerdem sitzt sie im Betriebsausschuss Informatikbetrieb, im Finanz- und Personalausschuss, im Haupt-, Wirtschaftsförderungs- und Beteiligungsausschuss und in der Partnerschaftskommission. Seit 2016 ist sie Vorsitzende der SPD in Bielefeld. Und nun geht es mit den Bielefelder-Ideen los in Berlin.

Alexander Linden