Die SPD-Fraktion fordert Reformen in der betrieblichen Berufsausbildung. In einem Antrag (17/14134) sehen die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten Reformbedarf in drei Bereichen: beim so genannten Übergangssystem, bei der Ausbildungsbeteiligung von Betrieben und bei der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung.

Ausbildungsgarantie statt Warteschleifen

Die Hälfte der 260.000 Jugendlichen, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und im so genannten Übergangssystem landen, verfügt über einen Hauptschulabschluss, ein Viertel sogar über einen Realschulabschluss. Für sie ist die Teilnahme an einer Fördermaßnahme im Übergangssystem in vielen Fällen ein unnötiger Umweg.

Die SPD-Fraktion fordert deshalb, das Übergangssystem radikal umzubauen. Der Schwerpunkt soll auf die Vermittlung in Ausbildung und betriebliche Einstiegsqualifizierung gelegt werden. Eine Ausbildungsgarantie soll allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz sichern. Die Verantwortung für die Fördermaßnahmen und die Ausbildungsvermittlung sollen in einem Ministerium gebündelt werden.

Da die Ausbildungssituation von Region zu Region unterschiedlich ist, wollen die Sozialdemokraten Jugendberufsagenturen nach Hamburger Vorbild einrichten, um den Übergang von der Schule in Ausbildung zu verbessern.

Mehr Ausbildungsbetriebe

Trotz des drohenden Fachkräftemangels ist der Anteil der ausbildenden Betriebe weiter gesunken: Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet aus. Diese Entwicklung ist beunruhigend – wird doch der Bedarf an Facharbeitern, Angestellten, Technikern und Meistern weiter ungebrochen sein.

Die SPD-Fraktion fordert deshalb, den Ausbildungspakt neu auszurichten und die Ausbildungsbetriebsquote auf 30 Prozent zu erhöhen. Ein wichtiger Schritt wäre die Einführung von Branchen- und Qualifizierungsfonds gemeinsam mit den Tarifpartnern.

Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung

Die SPD-Fraktion fordert, den Zugang von beruflich Qualifizierten zum Hochschulstudium weiter zu verbessern. Aber auch in umgekehrter Richtung sollen die Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit von Bildungswegen verbessert werden. Konkret stellt sich die Frage, wie auch Studienabbrechern über eine duale Berufsausbildung ein ebenso attraktiver, alternativer Karriereweg angeboten werden kann.

Um dieses Ziel zu erreichen möchte die SPD-Fraktion unter anderem duale Ausbildungsgänge stärken, die eine berufliche und eine akademische Ausbildung verknüpfen – etwa in Kooperation von Unternehmen mit akademischen Einrichtungen.

Stefan Hintermeier