Gabriele Hiller-Ohm, tourismuspolitische Sprecherin:

Ausbildung und Arbeitsbedingungen in der Tourismuswirtschaft müssen attraktiver werden – Betriebe, Branchenverbände, Gewerkschaften und Politik wollen gemeinsame Lösungen erarbeiten. Zu dieser Schlussfolgerung kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Volle Fachkraft voraus – Ausbildung in der Tourismusbranche“, zu dem die Arbeitsgruppe Tourismus der SPD-Bundestagsfraktion in dieser Woche eingeladen hatte.

"Betriebe, Branchenverbände, Gewerkschaften, Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam Lösungen gegen den Fachkräftemangel in der Tourismuswirtschaft erarbeiten. Der Wirtschaftszweig Tourismus ist sehr dienstleistungsintensiv und von vielen kleinen und Kleinst-Betrieben geprägt. Dies erschwert ein breites Branchenbündnis, um wirksame Strategien gegen Fachkräftemangel durchzusetzen.

Besonders betroffen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe. Vor allem  in Restaurants fehlt schon heute Personal. Erschwerend kommt hinzu, dass sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe entscheiden. Rund 33.500 Ausbildungsplätze in der Tourismuswirtschaft sind unbesetzt. Zudem gibt es  zum Teil sehr hohe Vertragslösungsquoten bei den Ausbildungsverhältnissen. Jeder zweite Auszubildende zum Restaurantkaufmann und zur Restaurantkauffrau bricht die Ausbildung ohne Abschluss ab. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.

Wir brauchen eine qualitativ hochwertige Ausbildung, gute Ausbildungsvergütungen, faire Arbeitszeiten sowie eine Perspektive auf Übernahme und auskömmlichen Lohn nach dem Berufsabschluss. Bei Problemen im Rahmen der Ausbildung brauchen wir Lösungen für die Auszubildenden. Vertrauliche und neutrale Ansprechpartner wie IHK-Ausbildungsberater und -beraterinnen sind dafür wichtig, aber bei vielen Auszubildenden noch zu unbekannt. Berufsbildungsausschüsse müssen vor Ort aktiver Problemen nachgehen. Ebenso muss der Jugendarbeitsschutz durchgesetzt werden – hier gibt es aber je nach Bundesland unterschiedliche Zuständigkeiten.

Gleichzeitig muss der Wert von Arbeit in einer Dienstleistungsgesellschaft stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt werden. Deutschland braucht nicht nur gute Ingenieurinnen und Ingenieure sondern ebenso engagierte Fachkräfte im Dienstleistungsbereich, besonders  im Tourismus."