Wolfgang Hellmich, verteidigungspolitischer Sprecher:

Vor einem Jahr übernahmen die Taliban-Kräfte die afghanische Hauptstadt Kabul. Die Bundeswehr wurde von dem schnellen Vormarsch genauso überrascht wie alle verbündeten Staaten sowie die afghanischen Sicherheitskräfte.

„Vor einem Jahr wurde die Bundeswehr von der schnellen Einnahme Kabuls durch die Taliban genauso überrascht wie unsere Verbündeten. Der Fall Kabuls wurde zu einem Symbol des Versagens der internationalen Gemeinschaft, die es nicht vermochte, gefährdete afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Schutzbedürftige schnell außer Landes zu bringen.

Dieses Scheitern darf sich so niemals wiederholen. Wir haben darauf reagiert: Ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages wird sich nach der Sommerpause intensiv mit den Vorgängen um die Rettungsmission und den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan beschäftigen. Zeitgleich beginnt die Enquetekommission ‚Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands‘ ihre Arbeit. Von beiden Ausschüssen können wir eine transparente Aufklärung erwarten. Und Lehren für die Zukunft internationaler Einsätze ziehen.

Auch die Europäische Union hat reagiert: Mit dem Strategischen Kompass hat die EU erstmals ein Grundlagendokument beschlossen, das definiert, was Europa im Bereich Sicherheit und Verteidigung können und prioritär verfolgen soll. Ein zentrales Vorhaben dabei ist die ‚schnelle Einsatzfähigkeit‘ die so genannte ‘EU Rapid Deployment Capacity‘ – EU RDC, die ein Krisenmanagement für eine schnelle Reaktionsfähigkeit in Lagen wie vor einem Jahr in Kabul ermöglichen wird.

Es ist wichtig, sich an diesem 15. August an die Bilder aus Kabul zu erinnern. Diese Hilflosigkeit darf sich so nie wiederholen. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen. Wir fordern das Auswärtige Amt und das Innenministerium auf, sich weiterhin intensiv um die Aufnahme der in Afghanistan verbliebenen Ortskräfte zu bemühen. Unser Dank gilt den Einsatzkräften der Bundeswehr, die unter schwierigsten Bedingungen einen herausragenden Job gemacht haben."