Dialogforum zum Dialogpapier "Neue Einstiegschancen"

Wie könnte der Bund den Ausbau der frühkindlichen Bildung und bei der Aufwertung von Erziehungsberufen unterstützen? Welche konkreten Angebote braucht es für welche Zielgruppen? Darüber haben die SPD-Abgeordneten der Projektgruppe #NeueChancen am 11. April mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis im Bundestag diskutiert.

Neue Zeiten erfordern neue Ideen. Unter dem Titel "Projekt Zukunft – #NeueGerechtigkeit" erarbeitet die SPD-Bundestagsfraktion bis Sommer 2016 mit Fachleuten und Bürgerinnen und Bürgern Antworten auf zentrale Zukunftsfragen für ein wirtschaftlich starkes und sozial gerechtes Land. Die Projektgruppe "#NeueChancen – Wertschätzung für Bildung und Arbeit" konzentriert sich auf neue Lösungen für ein erfolgreiches und gerechtes Bildungssystem – von der Ausbildung der Kleinsten bis zur beruflichen Weiterbildung. 

Beim Dialogforum "Neue Einstiegschancen – Wertschätzung für Bildung und Arbeit von Anfang an" stand die Frage im Fokus: "Wie kann die frühkindliche Bildung entsprechend ihrer entscheidenden Bedeutung für eine erfolgreiche Bildungsbiografie politisch gestaltet werden?“ Viele Fachleute und Praktikerinnen und Praktiker, u. a. aus Kindertagesstätten, Elterninitiativen, Gewerkschaften und Stiftungen, folgten der Einladung der SPD-Fraktion in den Bundestag, um ihre Erfahrungen weiterzugeben. Die Teilnehmenden hatten sich bereits im Vorfeld an einem Dialogprozess zu einem Arbeitspapier „Neue Einstiegschancen“ der Projektgruppe #NeueChancen beteiligt. Viele der Expertinnen und Experten hatten ausführliche Stellungnahmen verfasst, die den SPD-Abgeordneten als Grundlage für die Entwicklung ihrer politischen Konzepte dienen.

Hubertus Heil, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, betonte gleich zu Beginn des Dialogforums, wie wichtig der Beitrag von Expertinnen und Experten ist, damit seine Fraktion die Weiterentwicklung des Bildungssystems von der frühkindlichen Bildung an weiter voran treiben kann – um für alle Menschen faire Chancen für Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen.

In der engagierten Diskussion wurde die Bedeutung der frühkindlichen Bildung zur Nutzung individueller Bildungschancen klar. Besonders hervorgehoben wurde die Verzahnung mit der Erziehung in den Familien und bei den Übergängen zwischen den Bildungsabschnitten über alle Altersstufen hinweg sowie die Qualifizierung und Wertschätzung des Fachpersonals.
 

Aus- und Weiterbildung von Erzieher/innen stärken

Eine Schlüsselrolle nimmt die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern ein. In der ersten Hälfte des Dialogforums diskutierten die Anwesenden daher offen über den erheblichen Entwicklungsbedarf in diesem Bereich, denn derzeit gibt es keine bundeseinheitlichen Qualitätsstandards in der Ausbildung. Es bedarf hier nach Meinung der Experten einer stärkeren Ausdifferenzierung von Ausbildungs- und Karrierewegen – teils stärker akademisiert, vor allem für Leitungs- und Konzeptionsaufgaben, teils praktisch für fachqualifizierte Betreuungsaufgaben. Zudem war man sich einig: Sowohl in der Ausbildung als auch im Beruf muss die Bezahlung verbessert werden, vor allem angesichts des großen Mangels an Erzieher-Fachpersonal und den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen. Insgesamt wurde deutlich: Erstens braucht es bessere Möglichkeiten für die Ausbildung und eine angemessene Bezahlung von fachlich und sozial qualifizierten Fachkräften, die in ihrer Arbeit auch 'Trendsetter' für den Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sind. Zweitens gibt es bundesweit bereits zahlreiche erfolgreiche Modellprojekte, die Erfahrungen für die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung bieten. Auf diesen könnten künftige Konzepte aufsetzen.
 

Frühkindliche Bildung besser verzahnen

Die zweite Hälfte der Diskussion zeigte, dass die bestehenden Angebote der frühkindlichen Bildung weiter ausgebaut werden müssen. Gleichzeitig gilt es Zugangshürden abzubauen. Denn: Seit Jahren stagniert der Anteil der Kinder, die nicht oder nur sehr kurz in einer Kita sind. Zwischenfazit des Dialogforums: Aufsuchende Hilfen, Transparenz der Betreuungsmöglichkeiten und Kompetenzen des Fachpersonals können Familien die Angebote frühkindlicher Bildung näher bringen, besonders im letzten Jahr vor der Grundschule. Bei den Übergängen zwischen Bildungsabschnitten können insbesondere Familienzentren gut unterstützen, bestätigten die Bildungsexpertinnen und -experten. Und wie könnte die Bundespolitik konkret unterstützen? Erstens mit einem noch stärkeren Engagement beim Kita-Ausbau, vor allem für Kinder unter drei Jahren. Und zweitens, indem sie an einer fairen Lösung für Kita-Beiträge mitarbeitet, die – mit Blick auf einkommensschwache Familien – langfristig auf die Beitragsbefreiung hinauslaufen sollte.
 

Mehr Wertschätzung für die frühkindliche Förderung

Aus dem Dialogforum nimmt die Projektgruppe #NeueChancen sehr konkrete Anregungen mit. Aus diesen entwickelt sie nun ein zusammenfassendes Konzeptpapier, das die nötigen weiteren Schritte für die Verbesserungen der frühkindlichen Bildung auf den Punkt bringt.

Für den SPD-Abgeordneten Oliver Kaczmarek, Leiter der Projektgruppe #NeueChancen, ist es vor allem wichtig, die Wertschätzung und Möglichkeiten für das Fachpersonal frühkindlicher Bildung zu stärken. Er betonte: Je eher Kinder unterschiedlicher Hintergründe frühe Betreuungsangebote nutzen können, desto größer sind ihre Chancen auf gute Entwicklung und Aufstieg durch Bildung. Und: Gute Bildung braucht gute Rahmenbedingungen. Neben dem Betreuungsumfang und der Einbindung und Unterstützung der Familien braucht es daher auch bessere Aus- und Weiterbildungsperspektiven sowie eine höhere Bezahlung von Fachpersonal. Dafür wird sich die SPD-Bundestagsfraktion einsetzen.
 

Fotos vom Dialogforum "Neue Einstiegschancen" (11.04.2016)

Dialogforum "Neue Einstiegschancen" der Projektgruppe #NeueChancen am 11.04.2016