7,5 Millionen Menschen in Deutschland können nicht lesen und schreiben

Analphabetismus (Foto: picture alliance / dpa )

Stand:
07.09.2012
Arbeitsgruppen:
Bildung und Forschung, Petitionen
Abgeordnete/r:
Dagmar Ziegler , Dr. Ernst Dieter Rossmann , Petra Ernstberger , Oliver Kaczmarek , Klaus Hagemann , Gabriele Lösekrug-Möller
Themen:
Bildung , Weiterbildung , Petitionen
Empfehlen:
E-Mail, Facebook, Twitter

SPD: Nächste 10 Jahre für Alphabetisierung und Grundbildung nutzen

Seit 2011 liegen die Zahlen auf dem Tisch: 7,5 Millionen Menschen, die in Deutschland leben können nicht lesen oder sie verstehen nicht, was sie lesen. Das sind 14,5 Prozent der 18- bis 64-Jährigen. Sie sind sogenannte funktionale Analphabeten und Analphabetinnen. Die SPD will, dass diese Menschen besser in die Gesellschaft integriert werden. Doch die Maßnahmen der Bundesregierung reichen dazu nicht aus. Deshalb fordert die SPD-Fraktion eine nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Einen Antrag dazu haben die Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen bereits Anfang Mai in den Bundestag eingebracht. Bereits 2009 hatte sich die SPD im Petitionsausschuss dafür stark gemacht, dass Behörden so mit den Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren, dass es auch alle verstehen.

Auch die Bildungspolitikerinnen und-politiker der SPD-Fraktion wollen, dass sich die Bundesregierung in den nächsten 10 Jahren besonders anstrengt, damit die Zahl der Analphabetinnen und Analphabeten mindestens halbiert werden kann. Denn sie sind in unserer Gesellschaft stark benachteiligt. Oft können sie die Texte auf Verpackungen nicht lesen. Die Sprache der Behördenbriefe verstehen sie erst recht nicht und sie können Antragsformulare nicht ohne Hilfe von anderen ausfüllen. Viele der Betroffenen können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, aber sie können sich die Zusammenhänge längerer Texte nicht erschließen.

Menschen, die schlecht lesen und schreiben können, ist es auch unangenehm, andere um Hilfe zu bitten. Sie haben Angst davor, für dumm gehalten zu werden. Dabei tragen sie meist selbst keine Schuld daran, dass sie Schwächen beim Lesen und Schreiben haben. Und dass sie es in der Schule nicht richtig gelernt haben. Diese Menschen fühlen sich ausgeschlossen und sie haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn sie haben große Schwierigkeiten, Bewerbungen zu schreiben.

Hilfe für Analphabetinnen und Analphabeten ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit

Deshalb ist es für die SPD-Bundestagsfraktion auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, dass es in Deutschland weniger Analphabetinnen und Analphabeten gibt. Daran sollen in den kommenden 10 Jahren die Bundesebene, die Bundesländer und die Städte und Gemeinden gemeinsam arbeiten. Auch die Arbeitsagenturen, die Träger sozialer Einrichtungen (z. B. Kindergärten) und die Wirtschaft sollen dabei mitmachen. Folgende Forderungen stellt die SPD dazu an die Bundesregierung:

  • Es soll ein Netzwerk z.B. aus Schulen und Volkshochschulen aufgebaut werden. Das Netzwerk soll stabil sein und sich langfristig dafür einsetzen, dass alle Menschen Lesen und Schreiben lernen können.
  • Um das zu schaffen muss es mehr Kurse geben. Heute gibt es nur 30.000 Plätze. Das reicht nicht aus. Deshalb soll es mindestens 100.000 Plätze geben.
  • Auch die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern muss verbessert werden, damit sie ihren Schülerinnen und Schülern besser lesen und schreiben beibringen können.
  • Die Kursangebote für Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sollen in einfach verständlicher Sprache formuliert werden. Und die Betroffenen sollen sich nicht schlechter fühlen als die anderen. Sondern sie sollen Lust bekommen, lesen und schreiben zu lernen.
  • Allen Menschen soll klar gemacht werden, warum manche nicht richtig lesen und schreiben können. Die Betroffenen sollen Mut bekommen, sich helfen zu lassen. Und die, die lesen und schreiben können, sollen sie dabei unterstützen.
  • Damit das alles auch bezahlt werden kann, muss genug Geld bereit gestellt werden.

Die SPD-Bundestagsfraktion hat jetzt ihren Antrag „Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland fördern – Für eine nationale Bildungsdekade“ in einfache Sprache übersetzt.

Hier finden Sie den Antrag in einfacher Sprache.

Pressemitteilungen

7,5 Millionen funktionale Analphabeten sind ein Armutszeugnis für Deutschland

  • Dagmar Ziegler
  • Dr. Ernst Dieter Rossmann
  • Oliver Kaczmarek

07.09.2012|In Deuschland haben 7,5 Millionen Menschen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Diese hohe Zahl an funktionalem Analphebatismus ist erschreckend und alarmierend. Deswegen setzt sich die SPD-Bundestagsfraktion verstärkt für diese Menschen und deren bessere gesellschaftliche Teilhabe ein und fordert eine Dekade der Alphabetisierung. Dies muss eine gemeinsame Kraftanstrengung aller relevanten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Medien und Verbänden sein, um schrittweise die Zahl der Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche deutlich zu reduzieren, erklären Dagmar Ziegler, Ernst Dieter Rossmann und Oliver Kaczmarek.zur Pressemitteilung

Bundesregierung muss nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung ausrufen

  • Oliver Kaczmarek
  • Dr. Ernst Dieter Rossmann

10.05.2012|In Deutschland gibt es 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Damit diese Menschen endlich besser in die Gesellschaft integriert werden, muss von der Politik mehr Engagement, Kooperation und finanzieller Einsatz gezeigt werden. Was die Bundesregierung bisher vorgelegt hat, ist unzureichend. Deshalb fordert die SPD-Bundestagsfraktion die Umsetzung einer nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, erklären Oliver Kaczmarek und Ernst Dieter Rossmann.zur Pressemitteilung

Alphabetisierungs- und Grundbildungstrategie braucht mehr Power

  • Dr. Ernst Dieter Rossmann
  • Oliver Kaczmarek

08.02.2012|In Deutschland leben rund 7,5 Millionen funktionale Analpha­beten. Damit sie nicht länger am Rande der Gesellschaft leben, fordert die SPD-Bundestagsfraktion jetzt einen umfassenden Alpha-Pakt für Grundbildung. Wenn Deutschland ernsthaft den Anspruch einer „Bildungsrepublik“ hat, muss die Bekämpfung des Analphabetismus endlich angegangen werden, erklären Ernst-Dieter Rossmann und Oliver Kaczmarek.zur Pressemitteilung

Fatales Signal: Bundesregierung lehnt Finanzierung der Fachtagung Alphabetisierung ab

  • Dr. Ernst Dieter Rossmann
  • Oliver Kaczmarek

29.09.2011|Angesicht der hohen Zahl von funktionalen Analphabeten in Deutschland ist dringend Handlungsbedarf geboten. Doch der von Bildungsministerin Schavan groß angekündigte Grundbildungspakt mit den Ländern kommt nicht voran. Und die ursprünglich in Aussicht gestellte Finanzierung der diesjährigen Fachtagung Alphabetisierung ist gestrichen, kritisieren Ernst Dieter Rossmann und Oliver Kaczmarek. zur Pressemitteilung

Alphabetisierung: Bund muss Grundbildungsoffensive jetzt auf den Weg bringen

  • Dr. Ernst Dieter Rossmann
  • Oliver Kaczmarek

08.09.2011|Der von Schavan vorgelegte Haus­haltsansatz von 8,5 Mio. Euro für die Alphabetisierungsforschung ist unzu­reichend und zielt nicht auf aktive Hilfe für die Betroffenen. Die SPD wird bereits für den Haushalt 2012 zusätzlich 20 Mio. Euro für echte Förder­maßnahmen beantragen, sagen Ernst Dieter Rossmann und Oliver Kaczmarek.zur Pressemitteilung

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