Diskussionsveranstaltung der Projektgruppe #NeueLebensqualität

Welchen Nutzen bringt ein übergeordnetes staatliches Regionalsiegel? Wie sollte ein Bundesprogramm Regionalvermarktung ausgestaltet sein? Welche Rolle spielt der Handel für die regionale Wertschöpfung vor Ort? Anhand dieser Fragen hat die Projektgruppe #NeueLebensqualität mit Regionalvermarktungsinitiativen, dem Lebensmittelhandwerk und landwirtschaftlicher Produktion über Strategien zur Stärkung der Wertschöpfung für Lebensmittel vor Ort diskutiert. 

„Wertschöpfung vor Ort ist der Schlüssel zur Stärkung des ländlichen Raumes. Der Erhalt und Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten mit hoher Akteursvielfalt in kleinteiligen Strukturen braucht mehr politische Unterstützung“, stellte Carsten Träger, stellvertretender Leiter der Projektgruppe #NeueLebensqualität, fest. Er eröffnete die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Cord Petermann, Hochschule Osnabrück, Heiner Sindel, Vorsitzender Bundesverband der Regionalbewegung e.V., Ute Pesch, Referatsleiterin Abteilung Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik im Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und Jochen Dettmer, Vorstandssprecher Neuland e.V. Hier bestand unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Einigkeit. Ein Bundesprogramm könnte die richtigen Weichen stellen. Die regionale Vermarktung fördert und erhält Strukturen, die über den Lebensmitteleinkauf hinaus identitätsstiftend für die Menschen und die Region wirken.

Der Erfolg regionaler Vermarktungsangebote ist auch eine Vertrauensfrage. „Regional ist das Gegenteil von anonym“, so brachte es die Diskussion auf den Punkt. Die regionale Herkunft der Produkte ist fähig, Beziehungen zwischen Käufern, Erzeugern und Verarbeitern herzustellen. Sie bilden Vertrauen als Alternative zur Anonymität großer unüberschaubarer Lebensmittelkonzerne und globaler Handelsstrukturen. Wie kann dieser Prozess unterstützt werden? Und wie kann dieses Vertrauen vor Missbrauch geschützt werden? Dieser Punkt war vielen Diskussionsteilnehmern wichtig. Eine übergeordnete Regionalkennzeichnung mit klar definierten Kriterien kann Sicherheit schaffen. Über die Ausgestaltung und Detailtiefe gibt es jedoch noch großen Diskussionsbedarf.

Erzeuger, Lebensmittelhandwerk, und Vermarkter waren sich einig, dass für die kleinen Regionalbetriebe, die vom Erhalt regionaler Wertschöpfungsketten profitieren sollen, kein zusätzlicher Bürokratieaufwand entstehen darf. Schon jetzt mangelt es an Kapazitäten, um einen Marktzugang für die Produkte zu realisieren oder mit kleinen Angebotssortimenten und wenig Personal Gewinn zu erzielen. Außerdem muss Förderung auch im Mikrobereich ansetzen und nicht erst in hohen Investitionsbereichen, die für kleine Betriebe gar nicht in Betracht kommen.

Das Lebensmittelhandwerk wünscht sich von der Politik für neue Gesetzesvorhaben oder Förderkulissen einen obligatorischen „Handwerkscheck“, der die Belange kleiner Unternehmen konsequent im Blick behält. Diese Forderung kann auf alle kleinstrukturierten Akteure im Umfeld regionaler Wertschöpfungsketten übertragen werden. Der Reiz regionaler Produkte besteht darin, dass sie individuell und wenig austauschbar sind. Überambitionierte Vorschriften dienen der Gleichmachung und widersprechen dem Grundgedanken, der diesen Produkten einen Mehrwert verschafft.

Dialogforum "Bio, Regional - oder beides?" der Projektgruppe #NeueLebensqualtät am 12.05.2016