Rede von Johann Saathoff zum Schutz des Weddelmeers in der Arktis

  Wenn der Meeresspiegel steigt, steigt er überall. Wenn wir im Weddellmeer Gutes tun, hat das auch positive Auswirkungen bei uns zu Hause.

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich finde es gut, dass wir in diesen Zeiten, in denen auf allen Ebenen Uneinigkeit zutage tritt, parteiübergreifend Einigkeit demonstrieren. Die Auswirkungen einer Unterschutzstellung des Weddellmeers scheinen auf die bayerische Landtagswahl keine großen Auswirkungen zu haben. Deswegen schaffen wir es auch, hier Einigkeit zu haben.

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN)

Als Kind der Küste und als ehrenamtlicher Deichrichter einer Deichacht, in deren Gebiet rund 135 000 Menschen vor dem Meer geschützt werden, hat das Meer für mich eine ganz besondere Bedeutung. Die Gewalt des Meeres bei Sturmfluten setzt sich über alles hinweg  – sprichwörtlich, aber auch tatsächlich. Immer wieder havarieren Schiffe wie zuletzt die „Glory Amsterdam“. Das Meer ist äußerst respekteinflößend. Deshalb tun wir gut daran, es zu respektieren und zu schützen.

Überall dort, wo sich der Mensch schon in die Natur eingemischt hat, müssen wir heute eine Balance zwischen dem Schutz und dem Nutzen herstellen. Wir tun dies leider viel zu oft auf Kosten der Natur. Aber in den letzten Jahren haben wir auch einiges erreicht; auch das muss gesagt werden. Die EU setzt zum Beispiel Fischfangquoten fest, die deutlich nachhaltiger sind als noch vor einigen Jahren. Wir haben mit SECA und NECA-Gebieten die Schadstoffemissionen von Schiffen verringert. Das ist jedenfalls der theoretische Ansatz. Die Praxis darf gerne noch folgen. Wir sind also auf dem Weg, meine Damen und Herren.

Auf diesem Weg wollen wir uns nun um das Weddellmeer in der Antarktis kümmern: einen Teil der Erde, der aus unserer Perspektive quasi ganz unten, aber auf jeden Fall sehr weit weg ist. Und aus der Perspektive von Alexander Gerst auf der ISS gehört das da unten auf der Erde alles zusammen. Genauso müssen wir das auch sehen, liebe Kolleginnen und Kollegen; denn wenn der Meeresspiegel steigt, steigt er überall. Wenn wir im Weddellmeer Gutes tun, hat das auch positive Auswirkungen bei uns zu Hause.

Im Weddellmeer bestehen – das ist ungewöhnlich – 90 Prozent der pelagischen Fische nur aus einer Art, dem Antarktischen Silberfisch. Dieser kann nur dort leben; denn seine Fortpflanzung kann nur da erfolgreich sein, wo es eine bestimmte Eisschicht gibt. Es gibt 14 000 Arten auf dem Meeresboden, von denen die allermeisten nur dort leben können. Das Weddellmeer ist zudem enorm wichtig für den Salzgehalt der globalen Tiefsee und damit auch für ihre Biodiversität.

Das Weddellmeer ist also nicht nur ein Bereich irgendwo in der Antarktis, den wir schützen. Vielmehr handelt es sich ein Stück weit um globalen Schutz. Größte Teile der Biodiversität sind weitgehend unerforscht. Die Zone, in der gerade Alexander Gerst herumfliegt, ist wesentlich erforschter als die Tiefsee; dort besteht noch enormes Forschungspotenzial. Der Lebensraum ist einzigartig. Wir wollen, dass diese weitgehend unberührte Natur genauso bleibt, nämlich unberührt.

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)

Vor zwei Jahren hat es schon einmal einen Versuch gegeben. Jetzt soll es endlich klappen. Die Bundesregierung ist zu Recht sehr engagiert in dieser Angelegenheit. Se löppt sük noch de Mors ut de Hacken; so sagt man das in Ostfriesland. Dieses Engagement wollen wir gerne unterstützen.

Der von Deutschland erarbeitete Schutzgebietsvorschlag umfasst eine Fläche von rund 1,8 Millionen Quadratkilometer, fünfmal so groß wie Deutschland, das größte Meeresschutzgebiet der Erde. Ich möchte an dieser Stelle einen Dank aussprechen an unsere ehemalige Bundesministerin Barbara Hendricks, die dafür gesorgt hat, dass daraus eine europäische Initiative wird. Das gehört an dieser Stelle dazu.

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das Schutzgebiet soll ein weiterer Baustein für den umfassenden Schutz sensibler Lebensräume darstellen. Wir sind zuversichtlich, dass der Antrag im Herbst auf der Tagung in Hobart in Tasmanien eine Mehrheit finden wird, und wünschen dem Bemühen viel Erfolg. Wir jedenfalls unterstützen Sie dabei, so gut wir können.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)