Rede von MdB Dr. Lars Castellucci zur Diskriminierung von Muslimen

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zunächst einmal der antragstellenden Fraktion danken, dass sie uns diese wichtige Debatte ermöglicht, die leider auch notwendig ist, und ich möchte als letzter Redner dieser Debatte sagen, was ich für das eigentliche Thema dieses Abends halte, und das ist: Wie gelingt uns das gute Zusammenleben in Vielfalt in Deutschland?

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Das Erste, was man sehen muss, ist, dass wir ein vielfältiges Land sind, Herr Baumann, ob einem das nun gefällt oder nicht. Wir müssen von gegebenen Tatsachen ausgehen, wenn wir Gutes bewirken wollen. Wir sind ein vielfältiges Land und haben damit nicht nur die Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen, die uns vielleicht zuerst einfallen. Das sind übrigens 25 Prozent, also ein Viertel der Menschen in diesem Land. Aber es sind nicht ein Viertel der Menschen hier in diesem Parlament, nicht ein Viertel der Menschen am Kabinettstisch und nicht ein Viertel in unseren Behörden. Das zeigt, dass wir noch viel zu tun haben, um Vielfalt wirklich gut zu gestalten. Es geht aber nicht nur um Migrationshintergrund, sondern auch darum: Die Menschen haben unterschiedliche sexuelle Orientierung, sie haben unterschiedlichen Glauben, sie haben unterschiedliche Befähigungen. Das alles macht unsere Vielfalt aus. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gelernt haben – oder die meisten von uns –, uns mehr oder weniger so zu akzeptieren, wie wir eben sind. Das macht uns alle freier. Deswegen sage ich: Diese Vielfalt tut uns gut in Deutschland.

(Beifall bei der SPD und der LINKEN)

Aber das geht nicht von selbst, nicht automatisch. Damit uns Vielfalt guttut, dürfen wir nämlich nicht nur die vielen einzelnen Gruppen in diesem Land wahrnehmen, wertschätzen und in ihren Bedürfnissen erkennen, sondern wir müssen auch dafür sorgen, dass das Zusammenleben all dieser Gruppen in Vielfalt gelingt. Dazu müssen wir an die Wurzeln für diskriminierendes Verhalten heran. Eine dieser Wurzeln für diskriminierendes Verhalten sehe ich darin, dass Menschen selbst sich zurückgesetzt, nicht ausreichend wahrgenommen, vielleicht nicht vollständig zugehörig fühlen. Deshalb: Die beste Politik gegen Diskriminierung, die beste Antidiskriminierungspolitik ist eine Politik, die sich an alle richtet, die nicht spaltet, Herr Baumann, eine Politik, die niemanden zurücklässt, und auch eine Politik, die Orientierung schafft für die Zukunft, dass die Menschen wissen: Sie haben auch in Zukunft einen Platz in diesem Land. Mit anderen Worten: Das eigentliche Thema dieser heutigen Debatte, die Herausforderung, die sich uns stellt, ist: der gesellschaftliche Zusammenhalt. An diesem gesellschaftlichen Zusammenhalt müssen und werden wir intensiv weiterarbeiten. Vielen Dank.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)