Unverhältnismäßig lange Unterbringungen vermeiden

Koalition will Unterbringung in Psychiatrie reformieren

Der Entwurf zielt darauf, die Verhängung der Maßregel auf gravierende Fälle zu beschränken und unverhältnismäßige, insbesondere unverhältnismäßig lange Unterbringungen zu vermeiden.

In den letzten Jahren wurde ein kontinuierlicher Anstieg der Zahl nach §63 Strafgesetzbuch (StGB) untergebrachten Personen und vor allem der Dauer ihrer Unterbringung verzeichnet – ohne dass es Belege für einen parallelen Anstieg der Gefährlichkeit der untergebrachten Personen gibt.

Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung – am Donnerstag erstmals beraten – sieht daher vor, das Recht der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zu novellieren und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit stärker zur Wirkung zu bringen (Drs. 18/7244).

Dabei greift der Gesetzentwurf in weitem Umfang Vorschläge auf, die eine vom Justizministerium eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe 2015 erarbeitet hat. Konkret ist etwa vorgesehen, die Anordnungen mehr auf Taten zu konzentrieren, bei denen den Opfern seelische oder körperliche Schäden drohen, bzw. die Anordnungsvoraussetzung nach § 63 StGB anzuheben, wenn nur wirtschaftlicher Schaden droht.

Außerdem werden auch die Anforderungen an die Fortdauer der Unterbringung über sechs und zehn Jahre nach § 67 Abs. 6 StGb konkretisiert und prozessuale Sicherungen eingeführt, um unverhältnismäßig lange Unterbringungen zu vermeiden.

Zusammengefasst: Der Entwurf zielt darauf, die Verhängung der Maßregel auf gravierende Fälle zu beschränken und unverhältnismäßige, insbesondere unverhältnismäßig lange Unterbringungen zu vermeiden.

Voraussetzungen der Unterbringung im Groben:

  • Anlasstat, für die der Täter nicht oder nur eingeschränkt bestraft werden kann (§§ 20, 21); Anlasstat kann geringfügig sein
  • Eine zu erwartende Tat, die erheblich sein muss; für diese Tat muss eine Wahrscheinlichkeit höheren Grades bestehen.
  • Der Täter ist aufgrund der zu erwartenden Tat für die Allgemeinheit gefährlich.