Der Aufschrei gegen eine vermeintliche Abschaffung von Hausaufgaben ist schon erstaunlich. Die Kritiker übersehen offenbar bewusst, dass bei guten Ganztagsschulen und Horten das Thema Hausaufgaben als Stressfaktor für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern längst Geschichte ist. Ein flächendeckender Ganztagsschulausbau, wie ihn die SPD fordert, steigert die Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler individueller und leistungsangemessen zu fördern. Denn natürlich sollen alle Kinder selbständiges Arbeiten lernen und Freude am Leisten entwickeln. Bildungsministerin Wanka weigert sich aber, das Kooperationsverbot so aufzuheben, dass auch ein zweites Ganztagsschulprogramm möglich wird.

Stattdessen setzen die Kritiker weiter auf gleiche Hausaufgaben für alle, die aufgrund des wachsenden schulischen Zeitdruckes zunehmen und die Familien oft psychisch wie physisch bis an ihre Grenzen belasten. Sie sind eben ein Instrument von einem begrenzten pädagogischen Wert. Mit dem flächendeckenden Ausbau guter Ganztagsschulen sind diese verzichtbar und nur noch in besonderen Fällen sinnvoll. Zudem ist es verblüffend wenn etwa der Philologenverband in seiner Not erklärt, dass Hausaufgaben nun auch ein unverzichtbares Mittel der Begabtenförderung sein sollen. Das geht an der Schulwirklichkeit vorbei.

Umso bedauernswerter ist der Stillstand dieser Bundesregierung beim Ganztagsschulausbau. Wer lieber über Eliteuniversitäten und neue „Begabtenschulen“ nachdenkt als Ganztagsschulen fordert, wie Wanka jüngst im Interview, der schadet den Bildungschancen vieler Kinder und Jugendlichen und lässt die Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern mit ihren echten Problemen alleine zurück. Wanka ist Bildungsministerin, nicht Elitenbeauftragte der Bundesregierung.