Die SPD hat beschlossen, die Vermögensteuer wieder einzuführen. Joachim Poß ruft dazu auf, sie nicht gedankenlos reflexartig abzulehnen. Notwendig ist eine Debatte über eine Kluge und vernünftig gestaltete Vermögensteuer, die die Chance auf gesellschaftlichen Fortschritt bietet. Die schwarz-gelb Regierenden sollten ihre Schützengräben verlassen.
Die Reaktionen aus den Reihen der CDU/CSU und FDP und auch aus den Reihen der Wirtschaftsverbände (zum Beispiel des Präsidenten des DIHK) auf den Beschluss der SPD, die Vermögensteuer wieder einführen zu wollen, waren wie erwartet: Reflexartig wird dieser Beschluss abgelehnt. Es fallen die üblichen Vokabeln wie "Linksruck der SPD" und "Neidsteuer".
Wenn es bei dieser Reaktion bleibt, wird seitens der konservativ-liberalen Koalition und seitens der Wirtschaftsverbände eine große Chance hin zu gesellschaftlichem Fortschritt vertan: Eine klug und vernünftig gestaltete Wiedereinführung der Vermögensteuer würde helfen, bisher ungelöste gesellschaftliche Fragestellungen und Probleme zu lösen.
Offen ist zum Beispiel die Frage, wie vor dem Hintergrund auf Dauer äußerst angespannter öffentlicher Haushalte die nötigen Mehrausgaben für Bildung und Betreuung finanziert werden können.
Offen ist auch die Frage, wie eine Gesellschaft umgeht mit der zunehmenden Einkommens- und Vermögenskonzentration sowohl in wirtschaftlichen Boom- als auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten.
Es handelt sich hierbei um Probleme, die alle politischen Richtungen angehen und denen auch die Konservativ-Liberalen auf Dauer nicht werden ausweichen können.
Angesichts der gewaltigen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, wird es Zeit, dass alle ihre Schützengräben verlassen.