Wie die Kreativwirtschaft gestärkt werden muss

Logo Kreativpakt (Illustration: Michele Gauler)

Stand:
04.09.2012
Arbeitsgruppen:
Projekt Ordnung für Arbeit / Kreativpakt, Kultur und Medien
Themen:
Kreativpakt , Kultur , Medien/Internet
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Der Kreativpakt gibt Antworten

Der Kreativpakt ist ein Bündnis von Kultur, Wirtschaft und Politik. Aus einer Initivative von 2009 wurde 2011 der Kreativpakt e. V. Hier arbeiten Kreative gemeinsam an der Idee, bessere Bedingungen für die Kreativwirtschaft zu formulieren und auf den Weg zu bringen. Der Kreativpakt gab dem „Projekt Zukunft – Deutschland 2020“ der SPD-Bundestagsfraktion in einem langfristig angelegten, engen Arbeitsprozess entscheidende Impulse zur Entwicklung der Kreativwirtschaft.

Das Ziel des Kreativpaktes: Gemeinsam das Potenzial der Kreativwirtschaft weiterentwickeln. Die in der Kreativwirtschaft Beschäftigten müssen verlässlich sozial abgesichert sein und die Rahmenbedingungen kreativer Arbeit – vom Urheberrecht über die Netz- und Bildungspolitik bis zur Kultur- und Wirtschaftsförderung – müssen verbessert werden. Kurz gesagt: reboot Arbeit, update Urheberrecht, bildet soziale Netzwerke!

Das ist der Titel einer umfassenden Broschüre der SPD-Bundestagsfraktion zum Kreativpakt. SPD-Fachpolitiker haben sich regelmäßig ausgetauscht, wissenschaftliche Studien ausgewertet, Praktiker und Betroffene befragt, Workshops durchgeführt und Thesen auf der adhocracy-Plattform debattiert. In der Broschüre sind einige zentrale Ergebnisse für den weiteren Dialog festgehalten:

  • Urheberrecht: Vergüten statt verbieten

Die reale Nutzung des Netzes muss zur legalen Nutzung werden. Dabei gilt es, eine angemessene Vergütung zu gewährleisten. Wir brauchen ein modernes Urheberrecht, das Kreative und Urheber stärkt, ihnen faire Einkommen ermöglicht und das Recht mit neuen digitalen Nutzungspraktiken in Einklang bringt. Die damit verbundenen Chancen für kulturelle Teilhabe und Vermittlung, Demokratie, aber auch für die Vermarktung und Verbreitung kultureller Angebote wollen wir fördern.

  • Soziale Sicherung: Springen können, sicher fallen

Es ist Zeit, die soziale Sicherung endlich der neuen kreativen und digitalen Arbeitswelt anzupassen. Wir müssen berücksichtigen, dass sich die Kreativwirtschaft überwiegend in Form von Soloselbständigkeit organisiert. Deshalb wollen wir die Künstlersozialversicherung modernisieren und erweitern. Auch die allgemeinen Sozialversicherungssysteme gilt es anzupassen. Grundlage jeder sozialen Sicherung sind faire und stabile Einkommen.

  • Kulturförderung: Wettbewerb der Ideen statt starrer Strukturen

Die Förderung von Kunst und Kultur muss sich an den Bedürfnissen der Kultur- und Kreativschaffenden orientieren. Statt „einmal gefördert, immer gefördert“ brauchen wir ein System, das Experimente zulässt, die Avantgarde befördert und Anreize für Neues schafft. Die öffentliche Kulturförderung muss soziale Mindeststandards und -honorare beachten.

  • Wirtschaftsförderung: Kreativität ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts

Kreative und künstlerische Arbeit bildet die Grundlage für ökonomischen Fortschritt und jede gesellschaftliche Innovation. Wir wollen den Innovationsbegriff öffnen. Die Kreativwirtschaft ist eine eigene Wirtschaftsform und Zukunftsbranche. Sie ist mit ihrem hohen wirtschaftlichen Potenzial mindestens so zu fördern wie die klassischen Industrien. Vor allem die Existenzgründungsförderung muss auf die Bedürfnisse von Kreativen zugeschnitten werden.

  • Bildungspolitik: Kompetenzen neu denken und fördern

Bildung und Weiterbildung müssen den neuen, von der Kreativwirtschaft aufgezeigten Anforderungen der Arbeitswelt gerecht werden. In der Lehrer- und
Erzieherausbildung muss deshalb die kulturelle Bildung stärker verankert werden. Der Umgang mit neuen Medien ist genauso wichtig wie Lesen und Schreiben und muss Querschnittsfach sein. Bildung muss Kreativität heben, zur selbstständigen Arbeit befähigen und Entrepreneurship anregen.

  • Netzpolitik: Internet ist ein Grundrecht unserer digitalen Gesellschaft

Der schnelle Zugang zum Internet muss für alle und überall möglich sein. Dies bedeutet ein öffentliches WLAN in öffentlichen Räumen. Eine gesetzlich verankerte Netzneutralität und die Diskriminierungsfreiheit der Infrastrukturen und Inhalte muss die Grundlage für ein freies und innovationsfreundliches Internet sein. Informationen müssen für alle zugänglich sein.

Die Broschüre lässt sich hier downloaden.

Und hier kann man sie bestellen.

Die Kreativwirtschaft ist zu einer entscheidenden wirtschaftlichen Größe und zum Impulsgeber für gesellschaftliche Erneuerung geworden. Sie ist ein wichtiger Beschäftigungs- und Wachstumstreiber. Buchmarkt, Musikwirtschaft, Film, Rundfunk und Bühne, bildende Kunst, Architektur und (Mode-)Design sowie die Software- und Games-Branchen und die Werbewirtschaft beschäftigen in Deutschland rund 1 Million Menschen und erzielen jährlich einen Umsatz von rund 137 Milliarden Euro. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt damit bereits deutlich vor zum Beispiel der Chemiebranche.

Die Kreativwirtschaft macht zukünftige Entwicklungen in Arbeitswelt, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft schon heute wie ein Vergrößerungsglas sichtbar. Sie ist gleichzeitig Zukunftslabor und Avantgarde.

Kreativität ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Er muss gefördert werden.

Vgl. auch www.kreativpakt.org.

Hintergrund

Kreativpakt statt Kulturkampf

23.05.2012|Der Streit um das Urheberrecht im Internet spitzt sich zu. Die Sprache wird unversöhnlicher, und der Streit wird militanter. Er verkennt, dass Urheber, Nutzer und Verwerter sich gegenseitig brauchen. Ein fairer Ausgleich kann nur im Dialog geschehen. Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher, und Burkhard Lischka, rechtspolitischer Sprecher, erläutern in einem Videostatement die Positionen der SPD-Bundestagsfraktion.zum Artikel

»Kreativität ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts«

12.07.2012|Siegmund Ehrmann und der netzpolitische Sprecher Lars Klingbeil betreuen das Projekt „Kreativpakt“. Am Rande eines Workshops sprachen sie mit Tim Renner und Jochen Sandig über die Ziele des Projekts.zum Interview

Pressemitteilungen

Kultur- und Kreativwirtschaft auch auf europäischer Ebene stärken

  • Siegmund Ehrmann

28.04.2010|Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt, dass die EU-Kommission ein Grün­buch zur Kultur- und Kreativwirtschaft vorgelegt hat. Wir werden uns an dem nun folgenden Prozess der Konsultation aktiv beteiligen. Wollen wir die Kultur- und Kreativwirtschaft weiter stärken, müssen wir ebenso da­für sorgen, dass die Einkommen im Kultursektor verbessert und soziale Risiken verringert werden, erklärt Siegmund Ehrmann.zur Pressemitteilung

SPD fordert weitere Anstrengungen für Künstler- und Kreative

  • Siegmund Ehrmann
  • Ulla Schmidt (Aachen)

07.07.2010|Die heute vorgestellten Zahlen zur Kultur- und Kreativwirtschaft machen deutlich, dass die Branche enorme Umsätze generiert. Das durchschnittliche Einkommen der Kulturschaffenden liegt aber nach Angaben der Künstlersozialversicherung bei 13.100 Euro im Jahr. Für die SPD ist klar: Kulturschaffende müssen am Mehrwert ihrer Arbeit stärker beteiligt werden. Das Urheberrecht muss im Sinne der Kulturschaffenden gestaltet werden, erklären Siegmund Ehrmann und Ulla Schmidt.zur Pressemitteilung

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