Sexismus-Debatte führen

Das Porträt einer Journalistin über Rainer Brüderle im Stern der vergangenen Woche und zu seinem angeblich sexistischem Verhalten ihr gegenüber an einer Bar ein Jahr zuvor war auch der Auslöser für eine von Frauen angestoßene Debatte über Sexismus im Büro, bei Betriebsfesten, bei Bewerbungen und in der Öffentlichkeit.

Was am 25. Januar bei twitter unter dem Hashtag #aufschrei mit 5000 Einträgen begann, liegt mittlerweile bei mehr als 81.000 tweets. Frauen berichten über ihre Erfahrungen. Die Medien greifen die Debatte auf, auch die Talkshows haben sich des Themas angenommen. Einige Reaktionen auf den Beitrag der Stern-Journalistin und über die Debatte zeigen, dass manche, meist männliche Protagonisten, nicht verstanden haben, worum es geht. Da wird gefragt, warum eine Frau erst nach einem Jahr darüber schreibt, und schwadroniert, dass Frauen überempfindlich seien, oder dass Frauen selbst dieses Verhalten provozierten.

Tatsächliche Gleichberechtigung lässt Sexismus keinen Platz

SPD-Fraktionsvizin Dagmar Ziegler begrüßt, dass die Gesellschaft über Sexismus diskutiert und nicht nur die Politikerinnen und Politiker im Deutschen Bundestag. "Wir müssen gemeinsam klären, was Annähern zwischen den Geschlechtern gehört und  gehören soll und wo die Grenzen verlaufen, die Männer - und auch Frauen - nicht überschreiten dürfen.“ Ziegler sieht in der Debatte die Chance, dass die beide Geschlechter zu einem respektvolleren Umgang miteinander kommen, „ohne dass der harmlose und von beiden gewollte Flirt auf der Strecke bleibt“.“

Auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, findet, es gebe ein großes Bedürfnis, über Sexismus zu sprechen und darüber, wie Männer und Frauen am Arbeitsplatz miteinander umgehen: „Ich finde, das Verhältnis von Männern und Frauen am Arbeitsplatz sollte von professioneller Wertschätzung und gegenseitigem Respekt geprägt sein. Sexistische Äußerungen sind peinlich und unprofessionell. Sexismus ist eine Form der Diskriminierung.“

Caren Marks, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, meint: „Die Sexismus-Debatte zeigt, dass dieses Thema nicht bagatellisiert oder ins Lächerliche gezogen werden darf, sondern einer intensiven, sachlichen Auseinandersetzung bedarf. Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich für Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen ein. In so einer Kultur hat Sexismus keinen Platz. Die Verteilung 'viele Männer - wenig Frauen' erleichtert ein frauendiskriminierendes Klima, in dem Sexismus gedeiht.“

Die Debatte zeigt, welch archaische Rollenbilder in manchen Köpfen vorhanden sind, die zu sexistischen Ausfällen gegenüber Frauen am Arbeitsplatz oder anderswo führen. Vor allem aber geht es auch darum, wie sie überwunden werden können. Immer noch sind viele Bereiche männlich dominiert. Immer noch wagen es Frauen nicht sich zur Wehr zu setzen, wenn es sie von Vorgesetzten sexuell belästigt werden. Auch viele Männer äußern in der Debatte, dass sie das sexistische Verhalten ihrer Geschlechtsgenossen peinlich und abstoßend finden.

Doch Frauen werden auch jenseits der sexistischen Äußerungen und Handlungen am Arbeitsplatz nach wie vor diskriminiert. Sie gelangen selten bis in die Spitze von Unternehmen und Organisationen und werden schlechter bezahlt. Die SPD-Bundestagsfraktion hat Antworten, um diese Diskriminierung abzubauen, und sie beschäftigt sich auch mit der aktuellen Debatte. Die SPD-Fraktion hat Antworten: das Gesetz zur Frauenquote, zur Entgeltgleichheit (gleiche Löhne für gleiche Arbeit von Männern und Frauen), zur Gleichstellung und das Antidiskriminierungsgesetz.

Anja Linnekugel