"Otto-Wels-Preis für Demokratie" 2018

Wie lässt sich das Vertrauen in die Demokratie stärken? Wie wächst die Gesellschaft besser zusammen? Das waren die Leitfragen, um die sich die Verleihung des Otto-Wels-Preises für Demokratie drehte. Am Montagabend hat die SPD-Bundestagsfraktion zum sechsten Mal diesen Preis verliehen. Sein Anliegen ist es, die Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Herrschaft wachzuhalten und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Grundlagen unserer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit immer wieder erneuert und gefestigt werden müssen.

Diesmal haben die SPD-Abgeordneten Vereine und Initiativen ausgezeichnet, die sich mit ihrem Engagement vor Ort für gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen und einen ganz praktischen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten.

Den ersten Platz hat das Projekt „Heroes – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ vom Verein Strohhalm e. V. gewonnen. 2007 haben sich in Berlin-Neukölln junge Männer zusammengefunden, die aus „ehrkulturellen Milieus“ kommen. Ihr Ziel: sich für das gleichberechtigte Zusammenleben von Frauen und Männern zu engagieren. Für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht und kulturellem Hintergrund, dieselben Möglichkeiten und dieselben Rechte hat. In Workshops und Coachings werden die jungen Männer geschult. Sie setzen sich mit Themen wie Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Ehre und Menschenrechte auseinander.

Der zweite Platz ist in diesem Jahr gleich an zwei Initiativen gegangen: Der „Bürgergarten Stralsund – Bunte Popel Kinderfest“ und das „Bündnis Fulda stellt sich quer e. V.“.

Der Bürgergarten Stralsund ist ein Gegenpol zum NPD Kinderfest, das die Rechtsextremen jahrelang veranstaltet haben. Die Bürgergarten-Gründer riefen ebenfalls ein Kinderfest ins Leben – durchgeführt am selben Tag wie das der NPD und nannten es das Kinderfest „Bunte Popel“. Für ein buntes, vielfältiges Miteinander. Mit Erfolg: Zuletzt fand kein Kinderfest der NPD mehr statt.

2015 gründete sich der Verein „Bündnis Fulda stellt sich quer“. Er setzt sich aktiv für ein friedliches Miteinander der Kulturen ein, führt Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit an Schulen gegen Rassismus, Rechtspopulismus und Homophobie durch und organisiert immer wieder Proteste gegen Demonstrationen von rechts. Auch Einschüchterungsversuche, verbale Angriffe und sogar Morddrohungen halten die Mitglieder nicht von ihrem Engagement ab.

Den dritten Platz gewonnen hat das „Bürgerhaus der Gemeinde Warnkenhagen e. V.“ in Mecklenburg-Vorpommern. Das Dorf Warnkenhagen hat 365 Einwohner. Aber es hat keine Schule, kein Lebensmittelgeschäft und es hatte – bis 2001 – keinen Begegnungsort. Dann nahmen die Bewohner des Dorfes sich diesem Problem an. Sie gründeten einen Verein und bauten in vielen Tausend Arbeitsstunden, mit Fördermitteln und Spenden ein historisches Gebäude zu ihrem Bürgerhaus um. Zu einem Zentrum für Jung und Alt. Zum Reden, zum Lernen, zum Feiern und zur gegenseitigen Unterstützung. 2017 fanden dort 180 Veranstaltungen statt.

Fotos der Preisverleihung und Diskussion sind hier downloadbar.

Die Livestream-Aufzeichnung kann hier angesehen werden: