Ein Kommentar von Friederike Nottrott

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendpressetage der SPD-Fraktion waren aufgefordert, einen Kommentar zu schreiben, weshalb der Klimaschutz sozial gerecht gestaltet werden muss. Die besten vier Beiträge veröffentlicht spdfraktion.de nun.

Sozial gerechte Löhne, sozial gerechte Rente, sozialgerechte Bildung – überall ist die Rede von sozialer Gerechtigkeit. Und auch die Parteiprogramme quellen geradezu über mit diesem Terminus. Doch was ist überhaupt soziale Gerechtigkeit? Die Enzyklopädie des Vertrauens hat darauf folgende Antwort: „Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit bezieht sich auf gesellschaftliche Zustände, die hinsichtlich ihrer relativen Verteilung von Rechten, Möglichkeiten und Ressourcen als fair oder gerecht bezeichnet werden können“ (Quelle: Wikipedia „Soziale Gerechtigkeit“, Stand 8.11.2019).

Jedoch interpretiert jeder Gerechtigkeit völlig subjektiv und auf seine individuelle Lebenslage bezogen, wodurch eine allgemein gültige Definition des Begriffs unmöglich wird.

Nichtsdestotrotz – soziale Gerechtigkeit geht uns alle an. Warum also nicht auch das Klima dementsprechend schützen?

Der letzte Hitzesommer zeigt es: Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürre oder Waldbrände sind keine Nachrichtenbilder aus fremden Ländern mehr. Sie sind längst Realität geworden und finden vor unserer eigenen Haustür statt.

Wer auf Kosten der Umwelt lebt, sollte auch den Preis selbst zahlen

Es heißt immer, dass jede kleine Tat zählt, um diesen bedrohlichen Veränderungen entgegenzuwirken, weshalb ein umweltbewusster Lifestyle längst zum Trend geworden ist. Doch während der Biomarkt-besuchende und Fairtrade-kaufende Bürger immer häufiger zu Tofu greift und auf den jährlichen Flug in den Urlaub verzichtet, packen sich viele Unternehmen immer noch das dicke Steak auf den Teller und schmieren sich zum täglichen Frühstück ein Avocado-Toast.

Da man keinen Gewinnrückgang riskieren will, wird auf den Umstieg auf erneuerbare Energien verzichtet und fröhlich weiter Emissionen in die gleiche Luft gepustet, die später jeder, mag er noch so öko sein, einatmet. Das kann doch nicht gerecht sein! Wer auf Kosten der Umwelt lebt und produziert, der sollte dafür auch den Preis selbst zahlen.

Außerdem: Durch die praktische Tatsache, dass sich Windparks, Wasserkraftanlagen und Co. nicht von selbst bauen, wird auch das Argument von wegfallenden Arbeitsplätzen, die beispielsweise aus dem Kohleausstieg resultieren würden, relativiert.

Gemeinsamer Konsens gefordert

Der Weg in eine klimafreundliche Wirtschaft ist zwar mit Sicherheit lang und mit vielen Hindernissen verbunden, allerdings ist hier nicht nur unsere Zukunft betroffen, sondern auch die der nächsten Generationen – Stichwort Generationengerechtigkeit. Wie oft muss man sich jedoch als junger, klimabewusster Mensch die Floskeln wie „geh mir aus dem Weg mit dem veganen Quatsch, ich muss die Zukunft des Klimas ja nicht mehr erleben!“ einiger Herrschaften fortgeschrittenen Alters anhören?! Doch um sich diesen Egoismus leisten zu können, ist es längst zu spät.

Anstelle einer immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft ist die einzige Möglichkeit aus dieser Krise, der gemeinsame Konsens. Beim ewigen Tauziehen, mit dem Klima auf der einen und der Wirtschaft auf der anderen Seite, sollte und muss die Politik als objektiver, unbestechlicher Schiedsrichter für ein faires Kräfteverhältnis sorgen. Denn unsere Umwelt hat keine eigene Stimme, mit der sie sich schützen und um Hilfe bitten kann. Sie braucht die Stimme aller, auf Papier gebracht durch die Gesetzesgeber, deren Aufgabe es nun ist, den Klimaschutz gerecht zu gestalten.