Bronislaw Komorowski, seit 2010 polnischer Staatspräsident, ist bereits seit vielen Jahren besonders engagiert in der deutsch-polnischen Aussöhnung. Bereits während seiner vorangegangenen Amtszeit als Präsident des polnischen Parlaments, dem sogenannten Sejm, gab es einen regelmäßigen Austausch mit seinem deutschen Amtskollegen Norbert Lammert (CDU).
Deutsch-polnische Freundschaft wie ein Wunder
Dieser eröffnete mit einer Begrüßungsansprache die Gedenkstunde, die an den deutschen Überfall auf Polen erinnerte. Mit ihm begann der Zweite Weltkrieg, der sechs Jahre dauern sollte und noch Jahrzehnte in Europa nachwirkte. Bundestagspräsident Norbert Lammert erinnerte dabei besonders an die zahllosen persönlichen Schicksale, die viele Familien bis heute prägen. Besonders Polen habe unter dem Krieg gelitten, auch die Familie von Komorowski war betroffen. Daher grenze es für Lammert an ein „Wunder“, dass gerade Polen und Deutsche heute nicht nur Nachbarn seien, die sich vertragen, sondern Freunde, die sich mögen.
Auch der polnische Staatspräsident unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der deutsch-polnischen Aussöhnung. Vor allem über die „außergewöhnliche Gegenwart“, in der junge Polen und Deutsche gemeinsam lernten und arbeiteten, zeigte er sich erfreut. Die enge Verbundenheit in den 25 Jahren seit dem Fallen des Eisernen Vorhangs sei einmalig in der Geschichte der beiden Länder, die über Jahrhunderte – vor allem für Polen – unheilvoll verlief und an die beide Redner erinnerten.
Der 62-jährige Pole erwähnte dabei auch die Solidarnosc-Bewegung in Polen sowie die friedlichen Demonstrationen in der ehemaligen DDR. Zwei Bewegungen, die nicht nur viel Sympathie füreinander hatten, sondern auch Einfluss aufeinander nahmen. Mit vielen anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern hätten sie gemeinsam die Freiheit in Europa und dessen Einheit ermöglicht. „Was die Europäer verbindet, ist die Überzeugung, dass die Würde des Menschen unveräußerlich ist", sagte Komorowski.
Zusammenstehen in Krisenzeiten
Freiheit und die Würde des Menschen, Werte die es stets zu verteidigen gilt. In beiden Ansprachen kam daher nicht nur die Vergangenheit zur Sprache. Gerade die aktuellen Herausforderungen vor denen Polen und Deutschland sowie ganz Europa stehen, standen im Mittelpunkt der Reden. 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten und 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schockieren täglich Meldungen über Gewalt aus Syrien, dem Nahen Osten, aus dem Irak und der Ukraine. Vor diesem Hintergrund forderte Komorowski eine „deutsch-polnische Verantwortungsgemeinschaft“, in der gemeinsam Antworten auf diese Gefahren zu finden sind und die die Freiheit Europas verteidigt. Er betonte gleichzeitig, dass diese Verantwortung nicht an den Grenzen der Europäischen Union ende. Vor allem das transatlantische Bündnis müsse weiter gestärkt werden, um Werte wie Menschenwürde, Freiheit und Demokratie zu verteidigen – sei es in Syrien, dem Irak und vor allem auch in der Ukraine.
Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung wurde die Europahymne gespielt.