Bund und Länder dürfen in der Schiffbaukrise nicht auf Tauchstation gehen. Um die angeschlagene Werftindustrie in Deutschland zu stützen, muss sich die Politik für einen international wettbewerbsfähigen Finanzierungsrahmen einsetzen. Um den Verlust einer bedeutenden Branche in Deutschland zu verhindern, ist eine zukunftsweisende strategische Industriepolitik für den Schiffbausektor notwendig, erklärt Uwe Beckmeyer.
Bund und Länder dürfen in der Schiffbaukrise nicht auf Tauchstation gehen. Um die angeschlagene Werftindustrie in Deutschland zu stützen, muss sich die Politik für einen international wettbewerbsfähigen Finanzierungsrahmen einsetzen.
Bislang lehnt die Bundesregierung eine stärkere politische Unterstützung der Schiffbauindustrie mit dem Argument ab, dass Hinweise auf weitergehende Flexibilitäten anderer EU-Staaten nicht hinreichend belegt seien. Die Beispiele Italien und Frankreich zeigen aber, dass andere Mitgliedsländer die vorhandenen Spielräume im Interesse ihrer Schiffbauunternehmen gezielt nutzen. Italienische Werften erhalten Kredite zu besonders attraktiven Bedingungen, und in Frankreich gibt es eine 100 Prozentige Bauzeitfinanzierung.
Die Bundesregierung hält jedoch sich bei der Entwicklung vergleichbarer Lösungen auffallend zurück. Dabei hat eine Vielzahl von Werften Schwierigkeiten, die erforderliche Bauzeitfinanzierung bis zur Auslieferung eines Schiffs zu gewährleisten. Um die Rahmenbedingungen für die Werftindustrie zu verbessern, lassen sich verschiedene Ansätze für eine bedarfsgerechte Anpassung der Finanzierungsstrukturen kombinieren. Entsprechende Vorschläge der Banken liegen auf dem Tisch.
Denkbar wäre etwa, folgende Instrumente zu verbinden: eine Finanzierung von 80 Prozent des Baupreises vor Ablieferung mit 100 Prozent Exportkreditdeckung oder eine Finanzierung von 100 Prozent des Baupreises nach Ablieferung durch a) 20 Prozent Werftkredit und b) 80 Prozent als Exportkredit mit 100 Prozent Exportkreditdeckung (letzteres können 100 Prozent der Baukosten sein) sowie Kreditförderprogramme für die Zulieferfirmen der Werften. Gerade auch die Schiffbauzulieferer, die mit einer Exportquote von rund 75 Prozent in der Vergangenheit Exportweltmeister gewesen ist, benötigt in der jetzigen Krise besondere Unterstützung.
Um den Verlust einer bedeutenden Branche in Deutschland zu verhindern, ist eine zukunftsweisende strategische Industriepolitik für den Schiffbausektor notwendig.