Als letzte hat offenbar nun auch die CDU erkannt, dass das sozial ungerechte dreigliedrige Schulsystem völlig überholt ist. Der Entwurf für kommende Parteibeschlüsse schlägt somit vor, diese "heilige Kuh" zu opfern und so einen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Wie in der CDU insgesamt erlahmt aber auch in der Bildungspolitik der Reformeifer schneller, als die Tinte trocknen kann: Das neue Bildungspapier kommt nicht nur zehn Jahre zu spät. Es ist auch halbherzig und sendet falsche Signale. Es reicht nicht, wenn lediglich überholte Schulformen unter einem neuen Etikett zusammengelegt werden sollen. Die CDU agiert hier nicht aus bildungspolitischer Überzeugung, sondern betreibt aus rein finanziellen Gründen Flickschusterei.

Wie bei der Ganztagsschuldebatte nähert sich die CDU damit zwar formal weiter sozialdemokratischen Positionen an. Jedoch ignoriert der aktuelle CDU-Entwurf die Debatten auch in den Ländern etwa zum Kooperationsverbot im Grundgesetz oder zur Suche nach einem parteiübergreifenden Bildungskonsens. Die Kollegen vor Ort sind da offenbar weiter als sich eine Parteikommission vorstellen kann. Daher gibt es in der CDU kein klares Wort dazu, dass auch die zweite Schulform neben dem Gymnasium zu allen Abschlüssen führen können muss, also auch zur Hochschulreife. Nein sagt die CDU weiterhin zum sinnvollen längeren gemeinsamen Lernen und weiterhin herrscht bei den B-Ländern offener Streit mit der Bundesministerin Schavan bei der Frage der Zuständigkeiten von Bund und Ländern. Viel mehr Flickschusterei auf weniger Seiten ist kaum möglich.