Der Meister des Wortbruchs hat wieder zugeschlagen: Entwicklungsminister Niebel will entgegen früherer Zusagen der Bundesregierung kein Geld für die ITT-Initiative in Ecuador zur Verfügung stellen. Damit versetzt er womöglich nicht nur dem Projekt zur Rettung des ecuadorianischen Regenwaldgebietes im Yasuni-Nationalpark den Todesstoß, er missachtet auch den eindeutig erklärten Willen des Deutschen Bundestages. In der vergangenen Legislaturperiode hatten sich alle im Bundestag vertretenen Parteien in einem gemeinsamen Antrag für eine Unterstützung der ITT-Initiative eingesetzt. Und noch Anfang dieses Jahres hatten die zuständigen Entwicklungspolitiker aller Fraktionen in einem Schreiben an Ecuadors Präsidenten Correa nochmals ihre Unterstützung für das Projekt bekräftigt. Das alles interessiert Niebel nicht. Rücksichtslos bricht er den überparteilichen Konsens. Die Entscheidung ist damit nicht nur ein Schlag ins Gesicht der ecuadorianischen Regierung, die ihre Hausaufgaben mit dem kürzlich bei den Vereinten Nationen eingerichteten Treuhandfonds gemacht hat, sondern auch ein Schlag ins Gesicht des deutschen Parlaments.
Die Initiative, bei der die ecuadorianische Regierung sich zum Verzicht auf die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen aus der Erdölförderung im ITT-Gebiet bereit erklärt hat, wenn die internationale Staatengemeinschaft die andere Hälfte der möglichen Einnahmen in einem Treuhandfonds ausgleicht, ist eine einmalige Chance für den Erhalt der Artenvielfalt am Amazonas. Wenn Deutschland als einer der wichtigsten Geber jetzt nicht zu seinem Wort steht, steht das Projekt vor dem Aus, wird eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt für immer verloren gehen.