Licht und Schatten kennzeichnen die weltweite Situation der Impfung von Kindern. So ist es der Impfstoffinitiative GAVI Alliance seit dem Jahr 2000 gelungen, 288 Millionen Kinder zu impfen und damit rund 5,4 Millionen vorzeitige Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren zu verhindern. Aber noch immer bekommen etwa 24 Millionen Kinder keine Grundimmunisierung durch Impfungen. Die GAVI Alliance ist eine internationale Partnerschaft von Regierungen, Organisationen, Privatspendern, Nichtregierungsorganisationen und Industrie zur Verbesserung der Impfrate, insbesondere bei Kindern.
Im Juni wird in London die nächste Auffüllungskonferenz für die GAVI Alliance stattfinden. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert daher die Bundesregierung auf, hier einen substanziellen Beitrag zu leisten und sich an der Finanzierung mit mindestens 30 Millionen Euro jährlich beteiligen. Diese Summe würde auch im internationalen Vergleich unserer Leistungsfähigkeit entsprechen. Bisher liegt das deutsche Engagement in Höhe von sechs Millionen Euro nur knapp über dem von Luxemburg und damit auf dem vorletzten Rang.
Es ist zwar positiv zu beurteilen, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung laut Presse, den Beitrag für die GAVI Alliance deutlich erhöhen will. Allerdings ist die Art und Weise, wie dies zustande kommt, politisch problematisch. Das Ministerium hat am 6. April 2011 mit der "Bill und Melinda Gates Stiftung", die die GAVI Alliance substanziell unterstützt, ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, in dem eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und dem Ministerium verabredet wird. Dieses entwicklungspolitische Selbstverständnis des Ministers ist beschämend für die deutsche Regierungspolitik. Statt die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit selbst zu setzen, werden diese zunehmend an privaten Spendern oder Unternehmen ausgerichtet. Das Engagement der Gates Stiftung muss anerkannt werden. Doch darf deutsche Politik nicht davon abhängen, zumal die Opposition im Parlament zur Auffüllung von GAVI immer wieder Forderungen erhoben hat.