Die Altenpflege schlägt Alarm, und die Industrie sucht händeringend nach Facharbeitern. Der Vorstoß Schavans und Lindners, eine gezielte Einwanderungspolitik zu forcieren, ist deshalb nicht falsch. Er greift aber zu kurz.

Es geht heute nicht mehr nur um Beschäftigungssicherung in der Krise. Es geht vor allem um die Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Zukunft. Wir müssen schon heute handeln, damit wir in 20 Jahren nicht gleichzeitig Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit bei gering Qualifizierten vorfinden.

Den drohenden Fachkräftemangel können wir nur mit abgestimmten bildungs- und beschäftigungspolitischen Ansätzen vermeiden.

Das betrifft vor allem die drei Gruppen: Ältere, Frauen und Migranten. Schon in unserem Wahlprogramm 2009 hieß es: Wir wollen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur für jede und jeden. Daran halten wird fest.

Ziel muss es außerdem sein, den Anteil der gering qualifizierten Arbeitnehmer durch eine massive Bildungsoffensive zu reduzieren. Vor allem Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund müssen besser integriert werden. Rund 40 Prozent von ihnen machen heute keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Diese Verschwendung von Talent können wir uns nicht länger leisten.

Außerdem muss die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung weiter ausgebaut werden. Die Ausbildungsförderung für einen Universitätsabschluss muss zum Beispiel auch noch für 40- oder 50 jährige offen stehen. Ziel muss es auch sein, die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer auch im Alter zu erhalten und die Integration von Frauen, speziell Alleinerziehenden, in den Arbeitsmarkt zu erhöhen, indem ausreichend Betreuungsangebote bereitgestellt werden.