Frau Merkel muss die Debatte um die Stabilisierung der Euro-Zone endlich ehrlich führen.

Frau Merkel weiß ganz genau, dass die Euro-Zone faktisch bereits heute eine Haftungsgemeinschaft ist. So kommen die Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF Euro-Bonds bereits sehr nahe. Und die Staatsanleihen-Ankäufe der EZB können den Gewinn der EZB - und damit in letzter Linie auch den Bundeshaushalt - tangieren.

Frau Merkel soll gegenüber ihren eigenen Abgeordneten, gegenüber dem Koalitionspartner FDP und vor allem gegenüber der Öffentlichkeit nicht so tun, als gäbe es noch ein Zurück in die alten "No-Bail-Out"-Zeiten. Diese Zeiten sind endgültig vorbei - und das weiß Frau Merkel auch ganz genau.

Auch bezogen auf andere Punkte bekennt sich Frau Merkel nicht offen zum in der Realität erreichten Stand: Frau Merkel weiß genau, dass eine substanzielle Beteiligung der Finanzbranche an den Kosten der Krise und deren Bewältigung die Einführung einer Finanztransaktionssteuer erfordert. Aber aus Angst um ihre Koalition traut sie sich nicht, hier mutig voranzuschreiten.

Auch weiß Frau Merkel ganz genau, dass sich Steuersenkungen nicht nur in den Krisenstaaten, sondern angesichts der vielfältigen Herausforderungen und der steigenden Verpflichtungen im Rahmen der Euroland-Stabilisierung auch in Deutschland auf absehbare Zeit verbieten. Aber auch hier traut sie sich nicht, klare Kante zu zeigen.