Zur Vorstellung des Berichts der Projektgruppe „Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch" der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" erklärt die Sprecherin der Arbeitsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion Edelgard Bulmahn:

Wir brauchen eine mutig gestaltende Wirtschafts- und Umweltpolitik um den Naturverbrauch spürbar abzumildern. Technologische Effizienzgewinne allein reichen nicht aus. Das zeigt der Bericht mit beeindruckender Klarheit. Die Weltgemeinschaft muss aktiv gegensteuern, Deutschland muss dabei voran gehen und Kooperationen initiieren.

Der Bericht erkennt die Grenzen der Umweltnutzung unseres Planeten an. Er mahnt, dass schon heute einige Ressourcen dramatisch übernutzt werden. Dies betrifft insbesondere die fossilen Energien, aber auch andere Ressourcen. Dem fossilen Ressourcenhunger sind natürliche Grenzen gesetzt, nämlich die Aufnahmefähigkeit der Erdatmosphäre. Es lagern noch weit mehr Öl, Gas und Kohle in der Erde als wir verantwortlicherweise verbrennen dürfen, wollen wir ein Umkippen unserer Ökosysteme verhindern.

Die Grenzen der Aufnahmekapazität sind gleichzeitig die Grenzen für unsere menschliche Einflussnahme. Ansonsten werden die Lebensgrundlagen aller Menschen verletzt. Drei dieser Grenzen, nämlich Klima, Biodiversität und Stickstoffüberschuss, werden als bereits überschritten bewertet.

Der sogenannte Rebound-Effekt ist dabei ein großes Hindernis, wie der Bericht beweist. Rebound-Effekte sorgen dafür, dass die ökologischen Früchte technologischen Fortschritts oft geringer ausfallen als erwartet. Wir haben effizientere Autos, aber fahren damit weitere Wege. Stromsparende Glühlampen schalten wir seltener aus. Oft werden die Kostensenkungen für Mehrverbrauch verwendet. Der Umwelt ist damit nicht geholfen.

Notwendig ist daher ein politisches Umsteuern. Die Politik muss die ökologischen Herausforderungen angehen und dabei die sozialen und ökonomischen Folgen einbeziehen. Technologische Innovationen müssen mit institutionellen, sozialen und kulturellen Innovationen verbunden werden. So kann eine konsistente Entkopplungsstrategie gelingen.

Große Teile der Koalition haben sich bisher vor den Konsequenzen aus dieser schonungslosen Analyse gedrückt. Die verbleibende Arbeit der Enquete-Kommission muss konkreten Empfehlungen gewidmet werden. Eine gute Analyse ist der erste Schritt, der zweite Schritt, Konsequenzen für unser Tun und Handeln darum zu ziehen, muss folgen.