Schlechte Zeiten für den Wassertourismus. Es gibt enorme Potenziale für den Wassertourismus in Deutschland. 10.000 Kilometer zusammenhängendes Wasserwegenetz, 23.000 Quadratkilometer Seewasserstraßen, sechs Millionen Wassersportler und 2,8 Millionen Arbeitsplätze im Tourismus - das sind beeindruckende Zahlen, die zum weiteren Handeln auffordern. Vom Kreuzfahrttourismus bis zu Kanufahrten gibt es ein Potenzial, das durch weniger Bürokratie und Vorschriften und mehr Sicherheit gefördert werden kann. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aber auch anderswo gibt es viele Möglichkeiten.
Die SPD hatte sich schon in der letzten Legislaturperiode als Motor der Förderung des Wassertourismus erwiesen. Infrastruktur und Marketing für den Wassertourismus wurden verbessert. Aus dem Konjunkturpaket II wurden Mittel für die Wasserstraßen zur Verfügung gestellt. Dieser begonnene Prozess droht nun ins Stocken zu geraten. Im Koalitionsvertrag wird der Wassertourismus überhaupt nicht mehr erwähnt.
Dabei gibt es viel zu tun: Die Wartezeiten an den Schleusen müssen verkürzt, neue Anlegestellen geschaffen und die Beschilderung an den Wasserstraßen vereinheitlicht werden. Die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden in den Ländern und der Tourismuswirtschaft in Deutschland muss intensiviert werden. Jetzt geht es darum, die Beschlüsse der früheren Koalition umzusetzen und dem Wassertourismus nachhaltig eine Perspektive zu geben. Die Bundesregierung wird Schiffbruch erleiden, wenn sie die Potentiale des Wassertourismus ignoriert.
Die Bundesregierung muss sich auch personell zu dem Thema bekennen. So ist immer noch unklar, ob der alte Tourismusbeauftragte auch der neue sein wird oder wer dieses Amt übernehmen soll. Auch davon wird es abhängen, ob von der Bundesregierung überhaupt Anstöße für eine nachhaltige Entwicklung des Wassertourismus zu erwarten sind.