Martin Rosemann im Interview mit spdfraktion.de

Der promovierte Volkswirt betreut den Wahlkreis Tübingen. Er will im Bundestag mit dafür sorgen, dass es eine deutlich bessere und individuelle Beratung und Förderung von Arbeitslosen in Deutschland gibt. Auch das Thema Inklusion ist sehr wichtig für ihn.

Was ging dir durch den Kopf als klar war, dass du in den Bundestag einziehen wirst?

Jetzt erst mal ausschlafen.

Wie war dein Eindruck nach den ersten Zusammentreffen mit den anderen SPD-Bundestagsabgeordneten? Was nimmst du von den ersten Fraktionssitzungen mit?

Ich habe mich gefreut, viele alte Bekannte aus meiner Juso-Zeit wiederzutreffen. Aber ich konnte auch einige neue sehr nette, engagierte und kompetente Leute kennenlernen. Bemerkenswert ist, dass über ein Drittel in der SPD-Fraktion Neue sind. Darunter gibt es sehr viele wertvolle Kompetenzen. Meine Hoffnung ist, dass diese in der Fraktionsarbeit auch ausreichend genutzt werden und zur Geltung kommen.

Von der ersten Fraktionssitzung war ich eher enttäuscht. Das erinnerte mich ein bisschen an Parteiveranstaltungen, bei denen „Fensterrreden“ gehalten werden. Es fand mir zu wenig Dialog miteinander statt. Positiv finde ich die Offenheit gegenüber den Neuen in der Fraktion. Die Fraktionsklausur war dann für mich ein sehr positives Erlebnis. Die Arbeit in den Arbeitsgruppen zu den Arbeitsstrukturen der Fraktion fand ich sehr wertvoll. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen gehen alle in eine ähnliche Richtung. Nun muss das aber auch zeitnah und konsequent umgesetzt und gelebt werden.

Was musstest du als neues Mitglied des Bundestages alles nach dem 22. September organisieren?

Als erstes musste ich meine bisherige Tätigkeit als Leiter des Berliner Büros des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik zu Ende bringen und eine saubere Übergabe machen.
Dann musste ich meine beiden Büros in Berlin und im Wahlkreis organisieren (Mitarbeiterverträge, Räume, Computer). Mein Vorteil war, dass ich in Berlin von Beginn an einen Mitarbeiter hatte, der mir sehr viel abgenommen hat. Die größte Herausforderung für mich bestand und besteht teilweise darin, sich in den Räumlichkeiten des Bundestags nicht zu verlaufen.

Welcher Politikbereich interessiert dich? In welchem Bundestagsausschuss und in welcher Fraktionsarbeitsgruppe würdest du gern mitarbeiten?

Ich interessiere mich insbesondere für Fragen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Vor meiner Wahl in den Deutschen Bundestag war ich in der Arbeitsmarktevaluation tätig, habe dort einige größere Evaluationsprojekte geleitet – zu arbeitsmarktpolitischen Instrumenten und Programmen, aber auch zu strukturellen Veränderungen in der Arbeit der Jobcenter, war an der Evaluation von Mindestlöhnen beteiligt, habe mich mit Fragen der Einkommens- und Vermögensverteilung sowie der Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung zur Arbeitsversicherung beschäftigt.
Mein Interesse am Ausschuss für Arbeit und Soziales besteht jedoch noch aus einem anderen Grund. Aufgrund meiner Körperbehinderung habe ich einen besonderen Bezug zum Thema Inklusion. In meinem Wahlkreis gibt es hier besonders viele positive Ansätze, mit denen ich gut vernetzt bin.

Was ist dein selbstgestecktes Ziel in deiner ersten Wahlperiode? Was willst du für deinen Wahlkreis/dein Bundesland bewegen, und was willst du inhaltlich für das gesamte Land erreichen?

Als Abgeordneter im Deutschen Bundestag will ich in den kommenden vier Jahren dafür arbeiten, dass die SPD die mutige, treibende Kraft für den Fortschritt in Deutschland ist – für Gerechtigkeit, für Innovation, für den sozialen Aufstieg, für gesellschaftliche Teilhabe und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich will, dass wir eine Vielfalt an Lebensentwürfen ermöglichen, unterstützen und absichern.

Ich selbst würde gerne einen Beitrag zu einer deutlich besseren individuellen Beratung und Förderung von Arbeitslosen leisten. Damit könnten wir auch einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs leisten, die für Baden-Württemberg neben einer konsequenten Umsetzung der Energiewende zentral ist.

Für meinen Wahlkreis wäre es wichtig, dass wir Verbesserungen bei der Krankenhausfinanzierung – insbesondere für die Unikliniken und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege hinbekommen. Daneben wäre für den Wahlkreis eine Erhöhung der Mittel für die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur und eine baldige Anschlussregelung für die 2019 auslaufenden GVFG-Mittel wesentlich, damit wir unser Regionalstadtbahnprojekt realisieren können.