Ein Krisentreffen im Bundesministerium für Bildung und Forschung zur neuen Software für die Hochschulzulassung jagt das Nächste: "Angesichts aufgetretener technischer Schwierigkeiten beim Zusammenspiel aller Komponenten soll eine Freigabe erst erfolgen, sobald ein verlässlicher Betrieb gewährleistet ist", heißt es jetzt vom Ministerium auf SPD-Anfrage. Die Öffnung des Bewerberportals für Studieninteressierte wird deshalb erst einmal auf den 15. Mai 2011 verschoben. Falls die technischen Schwierigkeiten noch rechtzeitig behoben werden können, kommt dann eine abgespeckte Programmversion, in die zum Beispiel Lehramtsstudiengänge nicht einbezogen sind, zum Zuge.
Es rächt sich jetzt, dass das Bundesbildungsministerium die Ausschreibung der neuen Software erst mit dreimonatiger Verspätung auf den Weg gebracht hat. Die anfangs verbummelte Zeit fehlt nun, um das System vollumfänglich ins Laufen zu bringen. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat auf Initiative der SPD-Bundestagsfraktion die Mittel für die Software-Entwicklung zur Verfügung gestellt, um das Bewerbungschaos bei der Hochschulzulassung endlich zu beenden. Er hat an die 15 Millionen Euro an Bundesmitteln im Gegenzug klare Bedingungen wie dauerhafte Kostenfreiheit für die Studienbewerber geknüpft. Darüber hinaus verlangt der Freigabebeschluss, dass das BMBF den Ausschuss über einen ersten Probelauf des Systems und die Beteiligung der Hochschulen bis zum 1. März 2011 unterrichtet. Beides ist bis zum heutigen Tag nicht erfolgt.
Statt sich um die Kernaufgaben ihres Ministeriums zu kümmern, betreibt Frau Schavan allzu oft lieber Schaufensterpolitik und präsentiert zum Beispiel ihr teures "Haus der Zukunft". Die Ministerin steht aber im Interesse der Studierwilligen und der Hochschulen in Deutschland in der Pflicht, das aktuelle Softwareprojekt zum Erfolg zu führen.