Die Debatte um unrechtmäßig erworbene Doktortitel trifft das Ansehen der deutschen Wissenschaft ins Mark - und die zuständige Bundesministerin schweigt dazu. Die vielen offenen Fragen der wissenschaftsinternen Qualitätssicherung, die im Fall von Guttenberg offensichtlich höchst unvollkommen gewirkt hat, haben längst eine Dimension erreicht, in der es nicht mehr um Fehlverhalten von Einzelpersonen geht. Forderungen gehen soweit, das gesamte Verfahren zur Promotion auf den Prüfstand zu stellen - und das nicht nur in Bayreuth, sondern flächendeckend.

Bundesministerin Schavan verweigert aber beharrlich die Debatte. Vielleicht auch, weil Sie ihrem nach akademischen Weihen strebenden Kabinettskollegen nicht in die Parade fahren will. Wenn akademische Titel nur noch schmücken sollen, sind sie aus wissenschaftlicher Sicht entwertet. Dagegen muss sich aber die Wissenschaft selbst wehren, das kann nicht der Staatsanwalt. Die Stimme der Bundesministerin darf dabei nicht weiter fehlen, sondern muss den höchsten Selbstanspruch der Wissenschaft stützen und vor Zumutungen einer "Gefälligkeitskultur" schützen.