Die vorzeitige, völlig grundlose Absetzung von Eckard Deutscher als Vorsitzender des OECD-Entwicklungsausschusses ist ein schwerer Rückschlag für das internationale Ansehen Deutschlands. Hier wird von Minister Niebel aus kleinkarierten parteipolitischen Motiven eine angesehene Persönlichkeit "abgesägt" - keiner unserer internationalen Partner hat dafür Verständnis. Das was Niebel in seinem Haus kurz nach der Bundestagswahl begonnen hat, setzt er nun auf internationaler Ebene fort: Wo immer möglich, werden ausgewiesene Experten geschasst, um sie durch verdiente FDP-Parteisoldaten zu ersetzen. Im Falle Deutschers verzichtet Niebel sogar lieber auf eine einflussreiche Position in einer der wichtigsten entwicklungspolitischen Organisationen, als sie einem erfahren Mann zu überlassen, der lediglich das falsche Parteibuch hat. Eigentlich sollte die Bundesregierung froh sein über jede Führungsposition in einem internationalen Gremium. Im Verhältnis zu den Zahlungen, die Deutschland an multilaterale Organisationen leistet, sind die Deutschen in solchen herausgehobenen Stellungen bislang nur spärlich vertreten. Anstatt aber die wenigen deutschen Vertreter zu unterstützen, lässt man sie bei falscher Parteizugehörigkeit lieber fallen und verzichtet damit auch auf politische Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist wohl ein einmaliger Vorgang, dass die Bundesregierung eine internationale Spitzenposition einfach herschenkt.

Eckard Deutscher ist seit nunmehr zweieinhalb Jahren im Amt und hat die Arbeit des DAC in dieser Zeit maßgeblich geprägt. Wenn es jetzt seitens des Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung heißt, seine Amtszeit laufe regulär aus, so entspricht das schlicht nicht den bisherigen internationalen Gepflogenheiten. In der Regel sind die DAC-Vorsitzenden vier bis sechs Jahre im Amt. Deutscher hat, obwohl SPD-Mitglied, in seiner Arbeit stets großen Wert auf Überparteilichkeit gelegt. Dies und sein Einsatz für die multilaterale Zusammenarbeit hat ihm international großes Ansehen eingebracht. Die Entscheidung von Minister Niebel gegen Eckard Deutscher kann man nur mit Kopfschütteln kommentieren.