Die Regierungsklausur in Meseberg hatte nur einen Zweck: Beschwichtigung nach innen und nach außen nach einem verstolperten Regierungsstart.

Niemand glaubt Merkel, Westerwelle, Schäuble, Brüderle und den anderen die gestern und heute vorgespielte und inszenierte Einigkeit.

Kein einziges der großen Probleme, die sich aus dem Koalitionsvertrag und aus den Festlegungen der einzelnen Koalitionsparteien ergeben, kein einziger der riesigen Widersprüche wurde in Meseberg gelöst: Auch 20 Milliarden Euro anstelle 24 Milliarden Euro Entlastungsvolumen ab 2011 sind eine brutale Überforderung des Bundeshaushalts, der Länder- und der Kommunalhaushalte. Auch die 20 Milliarden Euro Entlastung bedeuten eine gleichläufige Erhöhung des strukturellen Haushaltsdefizits und eine entsprechende Erhöhung des Umfangs der zwingenden Haushaltskonsolidierung - auch wenn die Steuerreform jetzt nicht mehr "groß", sondern nur noch "halbgroß" genannt wird.

Schäuble und Brüderle haben kein Wort darüber verloren, wie die angekündigten Steuersenkungen und die zwingende Haushaltskonsolidierung konkret zusammengebracht werden sollen.

Außerdem weiß heute immer noch niemand, wie die Steuerentlastungen ab 2011 aussehen werden, das heißt wer davon profitiert und wer nicht.

Der materielle Gehalt der von Schäuble und Brüderle verkündeten "Ergebnisse" besteht ausschließlich in der Bestätigung der - sehr vagen - Formulierungen des Koalitionsvertrages. Verloren hat Herr Schäuble, der mittlerweile offensichtlich genauso laviert und schwadroniert wie die Bundeskanzlerin.

Schon die kommenden Tage werden zeigen: In Meseberg wurde kein einziger Koalitionsstreit beigelegt.

Eine Einigung konnte schon allein deshalb nicht stattfinden, weil die Länder und damit zum Beispiel Herr Seehofer nicht mit am Tisch saßen - die Länder, die zu den Hauptleidtragenden des Steuersenkungswahns der Regierung Merkel/Westerwelle/Schäuble gehören werden.