Rede von Udo Schiefner MdB anlässlich der Veranstaltung "Transport und Logistik am Limit"

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

als Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatz haben Transport- und Logistik enorme Relevanz für unsere Volkswirtschaft.

Professor Schmidt hat die Themen, die die Speditionsbranche bewegen,
gerade benannt: Sie fahren am Limit.

Wir wollen heute mit Ihrer Hilfe Antworten finden, Antworten, die wir für die deutsche Gesetzgebung nutzen und mit denen wir in Richtung EU-Kommission initiativ werden können.

Gleich anschließend wollen wir uns in drei Gruppen austauschen und möglichst viele der Ihnen wichtigen Aspekte und Forderungen aufnehmen.

Die Wettbewerbsbedingungen, die Verkehrsinfrastruktur und Fragen zur Digitalisierung sollen diese ersten drei Runden bestimmen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns für heute ein straffes Programm vorgenommen haben. Viele Themen können wir nur anreißen aber nicht ausdiskutieren.
Sollte Ihnen etwas zu kurz kommen, freuen wir uns über Ihre schriftlichen Hinweise im Nachgang zur heutigen Konferenz.

Die Wettbewerbsbedingungen sind zweifellos das breiteste Themenspektrum. Logistik- und Transportunternehmen, die ihre Mitarbeiter fair bezahlen und soziale Standards einhalten, verlieren in Deutschland zunehmend Aufträge. Große Teile des deutschen Transportlogistikgewerbes sind akuten Wettbewerbsverzerrungen ausgesetzt.

Eine über Preise nicht zu schlagende Konkurrenz trifft Unternehmen, die dadurch massiv unter Druck stehen. Preis-Dumping durch nicht-deutsche Unternehmen ist ein massives Problem. Das geltende Recht durchzusetzen ist ausgesprochen schwierig und die Durchsetzungsmechanismen zu verbessern.

Kontrollen der Lenk- und Ruhezeiten; Einhaltung der Kabotage-Regelungen; Mindestlohn und seine Umgehung; Verlagerung der Disposition und Umflaggen. Alles Punkte, zu denen wir viel zu besprechen haben.

Die erste Runde jetzt wird für all die Fragen nicht genug Zeit bieten. Bedenken Sie, dass wir den Arbeitsbedingungen und dem Mindestlohn sowie dem Sozialdumping im 2. Abschnitt unserer Konferenz weiteren Diskussionsraum eingeräumt haben.

Überschneidungen gibt es zwischen allen Diskussionsrunden.
In der Runde zur Digitalisierung werden elektronische Meldesysteme, Datenbanken und behördliche Zugriffsrechte zur Kontrolle eine Rolle spielen.

Es wird aber auch darum gehen, was und wie Logistiker investieren müssen, um ihre Flotten und Prozesse für die Mobilität 4.0 fit zu machen. Mobilität 4.0 bietet Chancen: gesteigerte Verkehrseffizienz, effektiver genutzte Infrastruktur,
mehr Verkehrssicherheit, höhere Produktivität.
Optimal verzahnte Produktions- und Logistikketten sind heute allerdings noch Zukunftsmusik.

Den notwendigen Fortschritt können und müssen wir beschleunigen. Dazu brauchen wir eine Strategie für alle Verkehrsträger.
Als Gesetzgeber sind wir zudem gefordert, wenn es um Standards und Normen geht. Vor allem automatisiertes Fahren erfordert einheitlich hohe Sicherheitsstandards, transparente Regeln und länderübergreifende Lösungen.

Der notwendige Datenaustausch wirft rechtliche Fragen auf: Wie kann Sicherheit garantiert werden, wer garantiert die Korrektheit der Daten und wer haftet?

Letztlich bleibt ohne funktionsfähige Verkehrsinfrastruktur, und dazu gehört auch die digitale Infrastruktur, alles stehen.

Transport und Logistik bilden das Rückgrat unserer Industrie, unserer Wirtschaft und unseres täglichen Lebens. Damit unsere bestehende Infrastruktur leistungsfähig bleibt, müssen Investitionen gezielt eingesetzt werden, dort wo der größte Nutzen entsteht.
- Ein Containerschiff zum Beispiel ersetzt 2500 Lkws. 

Uns interessiert Ihre Einschätzung zum Modal Split. Welchem Verkehrsträger gehört die Zukunft? Bleibt die Straße dominant oder bekommt der kombinierte Verkehr doch eine Chance?

Der Bundesverkehrswegeplan wird Sie und uns im kommenden Jahr intensiv beschäftigen. Er wird die Bautätigkeiten der kommenden eineinhalb Jahrzehnte definieren. Ihre Anforderungen an zukünftige Strukturen sind für uns dazu von besonderer Bedeutung.

All diese Themen wollen wir nun vertiefen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns zügig in drei Gruppen aufteilen könnten.

 

Wenn Sie die Wettbewerbssituation noch weiter besprechen wollen, bleiben Sie bitte hier im Saal mit meiner Kollegin Rita Hagl-Kehl.
Alle, die mit Gustav Herzog Fragen zur Verkehrsinfrastruktur vertiefen wollen, gehen bitte zu Ihrer Linken raus und gegenüber in den Marie-Juchacz-Saal.
Die Digitalisierung und Mobilität 4.0 wird Arno Klare zu ihrer rechten Hand in der Presselobby mit Ihnen besprechen.

Es wäre schön, wenn wir den kleinen Umzug schnell hin bekämen, damit uns vor der Kaffeepause um 16.30 Uhr genug Diskussionszeit bleibt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Auch die jetzt genannten Themen wollen wir weiter vertiefen. Bitte ziehen Sie wieder in der gewohnt professionellen Weise um.

Den Mindestlohn und die Arbeitsbedingungen bei deutschen Speditionen wird Markus Paschke hier im Saal thematisieren.

Das Thema Sozialdumping mit Fokus auf Kabotage, Transit und die europäische Ebene können Sie mit Kirsten Lühmann im Marie-Juchacz-Saal besprechen.
Zu ihrer rechten in der Presselobby werde ich mit Ihnen über die Nachwuchssituation und Kraftfahrerqualifizierung sprechen.

Um 18.10 Uhr würden wir uns dann gern wieder hier versammeln, bevor um halb Sieben noch Zeit für Gespräche bei einem kleinen Snack sein wird.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Kraftfahrerqualifizierung und Nachwuchs sollen wir in der nächsten knappen ¾ Stunde besprechen.

In Güterverkehr und Logistik arbeiten fast drei Millionen Menschen. Dieser Sektor ist damit einer der wichtigsten Deutschlands.

Aber die Folgen der demografischen Entwicklung sind deutlich sichtbar. Der Anteil der über 45-jährigen steigt stetig. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden in den nächsten Jahren ausscheiden.

Junge Menschen zeigen gleichzeitig ein immer geringeres Interesse am Fernfahrerberuf. Qualifizierter Nachwuchs ist nur schwer zu gewinnen.

Jedes Jahr müssten über 20.000 neue Fahrerinnen und Fahrer eingestellt werden. Aber die Unternehmen können ihre Ausbildungsplätze häufig nicht besetzen.
Bis 2013 war die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich

Güterverkehr und Logistik stetig gestiegen, inzwischen ist sie rückläufig. Wie können wir diesem Trend begegnen? Diese und Ihre weiteren Diskussionspunkte zur Berufskraftfahrerqualifizierung wollen wir nun diskutieren.

Sie haben das Wort.